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Im Kino: „Bessere Zeiten“

Bessere Zeiten

An Sakaris erstem Schultag gibt es keine stolze Verwandtschaft, keine Zuckertüte und kein Bild fürs Fotoalbum. Weil die Eltern nach durchzechter Nacht komatös im Bett liegen, rennt die große Schwester Leena mit ihm los, halb angezogen, ohne Frühstück und viel zu spät. Und das ist nur ein Tag dieser Kindheit am Rand der Gesellschaft. Dekaden später lebt Leena mit Mann und Töchtern in Stockholm, als sie die Nachricht erreicht, dass ihre Mutter Aili im Sterben liegt und sie sehen will.
Pernilla Augusts Sozialdrama „Bessere Zeiten“ ist Schwedens starker Kandidat für den Auslands-Oscar 2012. Der Komparativ des Titels meint vor allem die Deutungshoheit über die kollektive Erinnerung einer Familie, denn der Kern von Leenas beim Treffen mit der Mutter aufbrechender Wut sind ihre Schuldgefühle. Der ehemaligen Bergman-Schauspielerin August ist ein ebenso emotionaler wie analytischer Film gelungen, der durch seine zwischen Rückblenden und Gegenwart alternierende Plotstruktur die Zerrissenheit der Protagonistin nachvollziehbar macht. Die großartigen Darsteller – allen voran Noomi Rapace – bringen dem Zuschauer die Personen so nahe, dass man weiter hinsehen muss, auch wenn’s weh tut.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Rolf Konow/NFP

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Bessere Zeiten“ im Kino in Berlin

Bessere Zeiten (Svinalängorna), Schweden 2010; Regie: Pernilla August; Darsteller: Noomi Rapace (Leena), Ola Rapace (Johan), Outi Mäenpää (Aili); 100 Minuten; FSK 16

Kinostart: 8. Dezember

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