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Im Kino: „The Best Offer“

The_Best_Offer_DSC7852_c_StefanoSchirato_WarnerBrosGanz schön einsam kann das sein, so ein Festessen ohne Begleitung, in einem Spitzenrestaurant an einem Tisch mitten im Raum. Die Kellner machen großes Gewese um Virgil Oldman, sie wissen, dass es mit diesem seltsamen Alten, der in Handschuhen zu Tisch geht, eine besondere Bewandtnis hat. Er mag vielleicht sozial nicht allzu kompetent sein, aber er weiß, wie man sich mit schönen Dingen umgibt. Virgil ist Antiquar und Auktionator, er kann ein echtes Gemälde von einem gefälschten und ein wertvolles von einem überschätzten unterscheiden. Häufig spielt er der Öffentlichkeit dabei etwas vor, denn so manches gute Stück reißt er sich bei den Auktionen mithilfe eines Mittelsmannes selbst unter den Nagel. In einer geheimen Kammer, hinter dem Schrank mit den Handschuhen, hat er sie dann alle beisammen – die schönsten Frauen der Kunstgeschichte (gleich nach der „Mona Lisa“).

Dass in diesem Sammelprojekt auch ein Moment der Perversion steckt, deutet Giuseppe Tornatore in seinem Thriller „The Best Offer“ nur dezent an. Er geht nämlich mit diesem Virgil Oldman sehr nachsichtig um. Geoffrey Rush („Shine“) spielt die Rolle mit dem Selbstbewusstsein des Wissens um eine alte Welt, die auch dann noch Stabilität verleihen soll, wenn sich plötzlich die Sehnsucht regt. Virgil Oldman wird mit der Schätzung einer Hinterlassenschaft beauftragt, die sich in einer geräumigen Villa befindet. Die Schätze und das Gebäude gehören einer jungen Frau, die Verabredungen nicht einhält, Virgil aber telefonisch stark den Hof macht. Diese Claire ist das Geheimnis des Films, und Tornatore nützt geschickt alle dramaturgischen Tricks, die der Verzögerung des Moments der Wahrheit dienen. Genau genommen gibt es in „The Best Offer“ allerdings mehrere Momente der Wahrheit, getreu dem Motto, das Virgil irgendwann zwischendurch über seine Kunstwerke äußert: „In jeder Fälschung steckt ein Moment Wahrheit.“

Für den italienischen Regisseur Giuseppe Tornatore, der einst mit „Cinema Paradiso“ einen Welterfolg hatte, stellt „The Best Offer“ den Versuch dar, sich auf dem internationalen Markt zu positionieren, irgendwo zwischen Bille  August und Sam Mendes (vor „Skyfall“). Dafür wurde ein synthetisches Italien mit österreichischem Flair (und auffälliger Promotion für ein Wiener Spitzenrestaurant) gewählt. Doch diese seltsame Ortlosigkeit passt ganz gut zum Genre und zur Anlage dieses Films, der auf bewusst altmodische Weise seine Anleihen beim Kino der Fünfziger- und Sechzigerjahre macht. Der Geschichte, die Virgil mit Claire erlebt, stellt Tornatore eine zweite bei, die von der Wiederherstellung eines kunsthistorisch bedeutenden Automatenmenschen erzählt. Und wie dafür in allen möglichen Winkeln die Rädchen und Schrauben herumliegen, so legt Tornatore auch die Spuren aus, die es zur Entzifferung seines Thrillers bedarf. Das ist insgesamt vielleicht nicht allzu subtil, läuft aber auf ein überzeugendes Ende hinaus und verhilft zu einem Erlebnis, wie es heute nur noch selten zu finden ist: gediegenes Kunsthandwerk.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Stefano Schirato / Warner Bros.

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The Best Offer“ im Kino in Berlin 

La Migliore Offerta Italien 2013; Regie: Giuseppe Tornatore; Darsteller: Geoffrey Rush (Virgil Oldman), Jim Sturgess (Robert), Sylvia Hoeks (Claire); 124 Minuten; FSK k. A.; Kinostart: 21. März

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