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Im Kino: "Beti und Amare"

Im Kino: "Beti und Amare"

Die Welt ist flach, in der eine junge Äthiopierin namens Beti ihre Zuflucht sucht. Eine karge Hütte, die ihrem Großvater gehört, weit genug entfernt von den Kriegsparteien im Jahr 1936: Die Italiener wüten durch das Land, die einheimischen Kämpfer sind auch nicht gerade friedfertig in ihrem Umgang mit den Frauen. Eine schöne Frau wie Beti ist in jeder Hinsicht gefährdet, und sie trägt auch schon unheilvolle Erinnerungen in sich, wie bald deutlich wird.
In mythischer Erzählweise wird hier ein Frauenschicksal in einen fast schon kosmischen Rahmen gestellt, jedenfalls spielt der große Himmel eine bedeutende Rolle, und nachts überstrahlt manchmal ein gigantischer Mond alles. Beti findet einen Lebensmenschen, der buchstäblich vom Himmel fällt: Amare, weiß, stumm, aber gelegentlich mit einem blau glänzenden Speer bewaffnet. Dieses Geschöpf, ein äthiopischer Kaspar Hauser, ein Außenseiter an der Seite einer Außenseiterin, stellt für Beti eine Herausforderung dar, der sie sich stellen muss, um seinen Schutz zu genießen.
Andy Siege, ein in Kenia geborener Deutscher, erzählt in "Beti und Amare" eine Geschichte, die ihre historischen Hintergründe immer wieder hinter sich lässt, weil der experimentelle (oder vielleicht: afrikanisch-traditionelle) Erzählgestus andere Formen von Erfahrung privilegiert: die Wirklichkeit ist hier auf geisterhafte Weise veränderlich, alles kann jederzeit in starke Farben tauchen, der Weg zur Wasserstelle kann zum visionären Abenteuer werden.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Aries Images

Orte und Zeiten: Beti und Amare

Beti und Amare
D 2014, 94 Min., R: Andy Siege, D: Hiwor Asres, Pascal Dawson, Atrsaw Wisenbet

Kinostart:
Do, 14. April 2016

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