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Im Kino: „Birdwatchers“

„Hier war einmal Wald“, sagt Nadio, der Anführer einer kleinen Gruppe von Guarani-Indianern im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Sie stehen am Rande eines riesigen Ackers und errichten hier eine dürftige Siedlung. Sie fordern ihr Land zurück, und Nadio sagt irgendwann sehr bestimmt: „Wir sind jetzt eine Bewegung.“ Marco Bechis, international bekannt geworden mit dem Folterdrama „Garage Olimpo“ (1999), erzählt in „Birdwatchers – Im Land der roten Menschen“ von einem Volk, das den Touristen, die zu Beginn in einem Boot durch den Regenwald fahren, eine Urwald­szene vorspielt, das aber längst von der Agrarmoderne und von der Jagd nach Wirtschaftswachstum überrollt wurde. Die Guarani-Kaiowб um Nadio (Ambrуsio Vilhalva) pochen noch einmal auf ihre Rechte, aber das Drama in „Birdwatchers“ besteht gerade darin, dass es keine stabile Gemeinschaft mehr gibt – der junge Ireneu, der mit den Geistern in Verbindung steht und zum Schamanen bestimmt ist, durchlebt stellvertretend einen Identitätskonflikt, den Marco Bechis mit den Mitteln des Kinos exzellent erschließt.

Text: BR

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Birdwatchers – Im Land der roten Menschen“ im Kino in Berlin

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur Marco Bechis

Birdwatchers – Im Land der roten Menschen (Birdwatchers – La terra degli uomini rossi), Brasilien/Italien 2008; Regie: Marco Bechis; Darsteller: Abrнsio da Silva Pedro (Osvaldo), Alicйlia Batista Cabreira (Lia), Ambrуsio Vilhalva (Nadio); Farbe, 108 Minuten

Kinostart: 16. Juli

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