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Im Kino: „Bis später, Max!“ von Jan Schütte

Bis später, Max!Der jüdische Schriftsteller Max Kohn (Otto Tausig) ist ungefähr Mitte 80, einigermaßen desorganisiert und noch immer ziemlich vital, auch wenn er langsam anfängt, sich Sorgen um die Prostata zu machen. Seine deutlich jüngere Lebensgefährtin Reisel (Rhea Perlman) besitzt glücklicherweise jenes Organisationstalent, ohne das Max aufgeschmissen wäre. Dafür ist Reisel aber auch ein Kontrollfreak und ganz ausgesprochen eifersüchtig – und das nicht ohne Grund: Denn Max ist ein intellektueller lady’s man, der seine Reisel auf Lese- und Vortragstouren quer durch die USA gern und etwas ungeschickt betrügt, in realen – sowie immer häufiger in durchaus nur eingebildeten Verhältnissen, die er überall zu unterhalten scheint.
Regisseur Jan Schütte verbindet in „Bis später, Max!“ durch den Topos der Lesereise ge­schickt drei Kurzgeschichten des Literaturnobelpreisträgers Isaac B. Singer miteinander, die von Liebe, Sex und Einsamkeit im Alter handeln. Dabei vermengen sich Max’ reale Begegnungen und Erlebnisse mit seiner blühenden literarischen Fantasie, die Grenzen zerfließen. Personen, Ereignisse und Ängste aus seinem Leben tauchen in den Geschichten, die Max erzählt, ebenso wieder auf wie er selbst, der stets Hauptperson und passiver Beobachter zugleich ist. Einer, dem immer alles irgendwie zustößt und der gleichzeitig als Katalysator wirkt in diesen Erzählungen um Sehnsüchte und Begehren, die dann doch eher zu Geschichten der Verhinderung werden.
Denn neben Max’ offenbar realer Affäre mit einer seiner ehemaligen Studentinnen (Barbara Her­shey) wird sein literarisches Alter Ego, das sich auf seine Wirkung auf Frauen durchaus etwas einbildet, immer wieder in leicht bizarre Storys verwickelt, in denen unter anderem Herzinfarkt, Selbst­mord, Mord und Scheidung eine Rolle spielen und die in Max letztlich nur einen Wunsch hervorbringen: Bloß schnell weg hier. Die Stimmung oszilliert zwischen leisem, aber durchaus spitzem Humor und sanfter Wehmut, und es ist ein Vergnügen, zu sehen, wie viele Facetten der legendäre ös­terreichische Bühnenschauspieler Otto Tausig seinem Max irgendwo zwischen Lebenslust, sympathischer Selbstüberschätzung, Weisheit und Hilflosigkeit in praktischen Dingen abgewinnen kann.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Bis später, Max!, Deutschland 2007; Regie: Jan Schütte; Darsteller: Otto Tausig (Max Kohn/Harry Bendiner/Simon),
Rhea Perlman (Reisel), Barbara Hershey (Rosalie); Farbe, 85 Minuten

Kinostart: 9. April 2009

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