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Im Kino: „Buddy“ von und mit Michael „Bully“ Herbig

Buddy

Die Zeit vor Weihnachten gilt traditionell als eine Gelegenheit zur Besinnung. Doch längst hat sich dies ins Gegenteil verkehrt: Advent bedeutet Stress. Und nun kommt auch noch Michael „Bully“ Herbig mit seiner neuen Komödie „Buddy“ und macht Stress. Dabei hat er genau das Gegenteil damit gemeint: eine besinnliche Geschichte. Da passt also ganz offensichtlich etwas nicht zusammen. Oder aber es muss zu viel unter einen Hut. In „Buddy“ muss ein junger Mann zur Besinnung gebracht werden: Eddie hat eine Sprudel Factory geerbt, mit den Millionen macht er sich eine gute Zeit, in der Firma haben Schleimer und Idioten das Sagen. Wie soll das gut gehen? Nur mit der Hilfe eines Schutzengels.
Diesen Buddy, den nur Eddie sehen und hören kann, spielt Michael „Bully“ Herbig selber. Zuerst einmal bringt er auf seine eher chaotische Weise den Kopf von Eddie beinahe zum Platzen. Denn Buddy kennt sich mit Wundern nicht so aus, wie es bei einem Schutzengel eigentlich zu vermuten wäre; er arbeitet eher sokratisch, er provoziert Selbsterkenntnis; er sorgt aber auch dafür, dass Eddie einen Schritt zur Seite macht, wenn von oben etwas geflogen kommt. Buddy hat eine Mission. Er möchte, dass Eddie eine Frau findet. Und zwar keine dieser Modelpuppen, mit denen er sich sonst umgibt. Sondern eine, die mit beiden Beinen im Leben steht.
BuddyAm besten eine alleinerziehende junge Mutter wie Lisa (Mina Tander), die in einem Pflegeheim arbeitet und von dort aus einen guten Überblick über die Vergänglichkeit jugendlichen Überschwangs hat. Nebenbei hat sie dort auch einen fülligen Kollegen namens Sammy, der ihr auf eine verschwitzte Weise den Hof macht. Damit Eddie und Lisa miteinander in Kontakt kommen, braucht es ein bisschen Schicksal, und für diesen Moment setzt Michael „Bully“ Herbig mehr oder weniger Himmel und Hölle in Bewegung. Man könnte auch sagen: Er verteilt mächtige Adrenalinstöße.
In der Logik des klassischen Hollywoods wäre „Buddy“ eine gefühlige Komödie, am besten mit James Stewart in einer Hauptrolle und mit Frank Capra als Regisseur. „It’s a Wonderful Life“ heißt das einschlägige Muster, es läuft regelmäßig zu Weihnachten im Fernsehen und auch Herbig hat es ganz eindeutig im Sinn. Doch liegt ihm diese humanistische Tradition des Erzählens nicht besonders, kommt er doch eher aus der Welt der kurzen Sketche und der durch Unterbrecherwerbung konditionierten Gagfolgen. Auch „Buddy“ wurde von einer Sitcom auf PRO7 begleitet und vorbereitet, dort ist für das Herzenstempo nun schon gar kein Platz.
BuddyIm Film sieht die Sache so aus, dass Eddie (gespielt von Alexander Fehling, der einmal den jungen Goethe gab) zu seinem Glück hauptsächlich läuft. Und zwar mit dem hektischen, treibenden Tempo, das sich in Verfolgungsjagden ergibt. Eddie hetzt seinem Glück hinterher. Dazu bastelt Herbig in seinem Drehbuch ein notdürftiges Motiv, und dann inszeniert er diese Parkour-Orgie auch tatsächlich mit großem Geschick, also fast ein wenig atemberaubend. Nur passt das überhaupt nicht zu dem, was sich Buddy eigentlich vorgenommen hatte, nämlich einem Menschen die Augen und das Herz zu öffnen.  Eddie muss erst einmal so richtig pumpen, bevor er sich anlehnen darf.
Das zweite befremdliche Element in „Buddy“ ist das, worin Michael „Bully“ Herbig seine ureigenste Stärke hat: Er macht sich lustig und zwar über sich selbst und über so manches Musikstück, das in einem anderen Zusammenhang vielleicht gar nicht peinlich wäre. In „Buddy“ gibt es eine Reihe von Einlagen, die auf ein zentrales Element des Musical-Genres verweisen: Dass nämlich die Wirklichkeit auch einmal Pause machen kann und die Phantasie, das Glück, die Schwerelosigkeit zu ihrem Recht kommen. Herbig aber macht sich gerade darüber lustig, oder aber er zielt mit der Wahl seiner Stücke zu direkt auf das Stammhirn, in dem ja nicht nur die Evolution gespeichert ist, sondern auch die besonders aufdringliche Werbung und anderer Klischeekram. Herbig hämmert uns auch dort, wo er ironisch und subtil sein will, immer alles ziemlich um die Ohren.
Mit einem Wort: „Buddy“ ist eine grotesk verunstaltete Komödie oder eigentlich überhaupt keine Komödie, sondern ein aufdringliches Rührstück, das verzweifelt und unter Hochdruck um ein bisschen richtiges Gefühl ringt.

Text: Bert Rebhandl

Fotos: Marco Nagel / 2013 herbX film / Warner Bros.

tip-Bewertung: Ärgerlich

Orte und Zeiten: „Buddy“ im Kino in Berlin

Buddy, ?Deutschland 2013; Regie: Michael „Bully“ Herbig; Darsteller: Alexander Fehling (Eddie), Michael „Bully“ Herbig (Buddy), Mina Tander (Lisa); 95 Minuten; FSK 6

Kinostart: ?25. Dezember

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