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Im Kino: „Callgirl“

Callgirl

Ljubljana steht bei Billigflieger-Touristen als europäisches Ziel hoch im Kurs. Von Weltläufigkeit träumen hier auch die Sprachschüler, die in „Callgirl“ im Hörsaal englische Aussprache pauken. Eine von ihnen ist Aleksandra, die sich neben dem Sprachstudium heimlich als Hure verdingt. Die Eröffnungssequenz zeigt sie beim routinierten Verrichten ihres Jobs, der sie in die Hotelzimmer älterer Männer führt. Als ein Kunde plötzlich einen Infarkt erleidet, gerät das Doppelleben des Mädchens ins Wanken; nun hat sie Ermittler auf den Fersen, zudem ein grimmiges Zuhälterduo. Die junge Theaterschauspielerin Nina Ivaniљin erinnert mit ihrem porzellanweißen Gesicht von fern an eine abgründige Verwandte von Liv Tyler in „Der Herr der Ringe“: Mit weltentrückten Zügen und kühler Mimik betreibt sie ihr manipulatives Spiel, das sie tief in die Selbstentfremdung geführt hat. Den Zwiespalt verdeutlichen die Begegnungen mit dem Vater in ihrem öden Heimatkaff. Regisseur Damjan Kozole zeichnet es als Minikosmos der Tristesse nach Art von Kaurismäkis verlorenen Flecken. Dass hier große Ausbruchsfantasien gedeihen können, verkörpert Ivaniљin mit ihrem ruhigen Spiel auf eindrückliche Weise.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Farbfilm Verleih

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Callgirl“ im Kino in Berlin

Callgirl (Slovenka), Slowenien/Deutschland/Serbien/Kroatien 2009; Regie: Damjan Kozole; Darsteller: Nina Ivaniљin (Aleksandra), Peter Musevski (Edo), Primoz Pirnat (Zdravko); 90 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 21. Juni

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