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Im Kino: „Carte Blanche“

Carte Blanche

Der Titel von Heidi Specognas Dokumentarfilm „Carte Blanche“ birgt einen schmerzhaften Doppelsinn: Einerseits gewährte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag der Schweizer Regisseurin einen einmaligen Passierschein, indem er die filmische Begleitung der Vorbereitung des Prozesses gegen Jean-Pierre Bemba erlaubte, dem Anführer der kongolesischen Befreiungsbewegung MLC, die vor fast zehn Jahren im Nachbarland Zentralafrikanische Republik (ZAR) ein Massaker anrichtete. „Carte Blanche“ bezeichnete aber auch den Freibrief für die Soldaten und Milizentruppen, mit einer als feindlich eingestuften Zivilbevölkerung nach Belieben zu verfahren – zu morden, zu plündern und systematisch zu vergewaltigen. Mit der Verfolgung dieser Verbrechen im internationalen Kontext wird juristisches Neuland betreten. Nichts ist vorhersehbar, und der Verteidigung gelingt es immer wieder, den Beginn des Hauptprozesses hinauszuzögern. Es gelingt ein intimer Blick auf die Spannung zwischen konkreten Opferschicksalen und juristischer Generalisierung. Dem entspricht der Film durch seinen wohldurchdachten Rhythmus im Wechsel der Farben, Tonarten und Bilddimensionen zwischen Bangui und Den Haag.

Text: Stella Donata Haag

Foto: PS Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Carte Blanche“ im Kino in Berlin

Carte Blanche, Schweiz/Deutschland 2011; Regie: Heidi Specogna; 91 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 10. Mai

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