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Im Kino: „Cato“

CatoEs waren zu wenige, und die schweigende Mehrheit hat lange aus Scham die Erinnerung verweigert. Die Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus jenseits des Erinnerungskultes um das allzu späte Aufbegehren des 20. Julis ist noch immer nicht vollständig erzählt. Die Dokumentation „Cato“ von Dagmar Brendecke und Walter Brun füllt nun eine weitere Lücke gerade dadurch, dass sie die fortbestehende Lücke innerhalb einer Familie dokumentiert.
Cato Bontjes van Beek, 1920 in einen Künstlerhaushalt bei Bremen hineingeboren, wollte Fliegerin werden, Schauspielerin und Weltreisende. Zu alldem kam sie nicht mehr, weil sie am 5. August 1943 mit 15 anderen Mitgliedern der Roten Kapelle in Plötzensee hingerichtet wurde. Der sorgfältig komponierte Dokumentarfilm kommt ohne eingesprochenen Kommentar aus, lässt die Familie und Freunde Catos zu Wort kommen, schafft aufschlussreiche Ellipsen und spannungsreiche Bild-Ton-Scheren. Eine eigene Schiene bilden die Briefe und später dann auch Flugblätter Catos. Hier setzt der Film Illustrationen der Kostbarkeit des Lebens gegen Bilder der Bedrohung, die sich schließlich verengen auf die Wände der Gefängniszelle.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Cato“ im Kino in Berlin

CATO, Deutschland 2009; Regie: Dagmar Brendecke und Walter Brun; 90 Minuten

Kinostart: 23. September

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