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Im Kino: „Che-Guerilla“ von Steven Soderbergh

Ein Gerücht geht um in den Wäldern von Bolivien. Es pflanzt sich fort bis in den Regierungspalast des südamerikanischen Landes, wo der Präsident mit Beratern aus den USA zusammensitzt und auch auf dieses Gerücht reagieren muss: Che Guevara ist im Land, er führt eine neue Guerillatruppe an, denn Bolivien sollte 1966 das nächste Land in der Region nach Kuba sein, in dem das Volk durch eine Revolution befreit werden sollte. Unter falschem Namen war der zu diesem Zeitpunkt schon berühmteste Freiheitskämpfer der Welt nach Bolivien gereist, ein wenig mehr als ein Jahr dauerte schließlich seine Kampagne, die katastrophal ende­te. Che Guevara wurde 1967 gefangen genommen und getötet. Das Gerücht hatte sich als wahr erwiesen, die Angst der Regierungen aber als unbegründet.
Denn so, wie dieser Kampf geführt wurde und wie er nun im zweiten Teil von Steven Soderberghs großem Filmporträt „Che – Guerilla“ gezeigt wird, war an einen Sieg nie zu denken. Die versprengten Kämpfer irren entkräftet durch die Wälder, wenn sie gelegentlich zu einer Bauernfamilie kommen und dort Lebensmittel kaufen möchten, stoßen sie auf abweisende Gesichter. Che Guevara (Benicio Del Toro) predigt ein hohes Ethos des revolutionären Lebens, aber er macht immer wieder einen desolaten Eindruck, wenn er seine Asthma-Medikamente in einem Lager liegen lässt, das fluchtartig verlassen werden muss.
Der erste Teil von Soderberghs Film, in dem es um Kuba gegangen war, versuchte noch so etwas wie eine Vermittlung zwischen der politischen Persönlichkeit von Che Guevara und den konkreten Mühen des Kleinkriegs. In „Che – Guerilla“ sind nun auch noch die letzten Spuren von historischer Größe verschwunden zugunsten der Sisyphosarbeit eines aussichtslosen Unterfangens. Paradoxerweise erwächst Guevara aber gerade aus der absoluten Marginalität, die Soderbergh hier mit seiner immer nur auf Augenhöhe befindlichen digitalen Kamera sehr unmittelbar erschließt, so etwas wie eine neue Bedeutung jenseits der T-Shirt-Ikonografie: Che Guevara erscheint hier als der letzte Heilige der politischen Avantgarde, ein tragisches Moment aus dem Jahrhundert der Extreme.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung:
Sehenswert

Orte und Zeiten: „Che- Guerilla“ im Kino in Berlin

Che – Guerilla (Che: Part Two – Guerilla), USA/Spanien 2008; Regie: Steven Soderbergh; Darsteller: Benicio Del Toro (Ernesto Che Guevara de la Serna), Rodrigo Santoro (Raul Castro), Demiбn Bichir (Fidel Castro); Farbe, 131 Minuten

Kinostart: 23. Juli

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