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Im Kino: „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ von und mit Ben Stiller

Das_erstaunliche_Lbene_des_Walter_Mitty_OfficeBlur_A4Die Kurzgeschichte über „Das geheime Leben von Walter Mitty“ von James Thurber ist nur wenige Seiten lang. Aber sie erzählt von einem zentralen Problem des modernen Lebens: Vor lauter Bequemlichkeit und Sicherheit gibt es keinen Platz mehr für Abenteuer. Und so wurde Walter Mitty, ein Mann, der beim Autofahren davon träumt, er wäre ein Flugzeugpilot, zu einer sprichwörtlichen Figur der „postheroischen“ Gesellschaften, wie man das heute nennt.

Die Erzählung entstand 1939, doch hat sie ihre Gültigkeit nicht verloren. Der Schauspieler und gelegentliche Regisseur Ben Stiller war jedenfalls schon lange davon überzeugt, dass man diese Geschichte auf die Gegenwart übertragen könnte. Nun hat er dieses ambitionierte Projekt realisiert: „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist eine Komödie mit einem starken Hang zum Pathos, die das zentrale Motiv von Thurber aber sehr geschickt mit dem epochalen Wandel unserer Gegenwart verbindet – mit der umfassenden Digitalisierung, die ja mehr und mehr die Grenzen zwischen Realität und Imagination zum Verschwimmen bringt.

Ben Stiller, der damit wie schon mit „The Cable Guy“ einmal mehr als Künstler ernst genommen werden möchte, spielt selbst den neuen Walter Mitty, der im Keller eines berühmten Medienunternehmens seinen Arbeitsplatz hat. Es handelt sich um die Zeitschrift „LIFE“, vielleicht das Printprodukt par excellence über viele Jahre, nun aber kurz vor dem Übergang in eine reine Online-Publikation. Walter ist bei „LIFE“ für das „negative management“ zuständig, er verwaltet den riesigen (analogen) Bestand des Fotoarchivs, und als dort ein wichtiges Negativ verloren geht, macht er sich auf den Weg, es wiederzufinden. Er muss dafür nach Grönland und Island, und während dieses Abenteuers wird aus dem Tagträumer ein richtiger Held, dessen größte Tat schließlich darin besteht, dass er auf einem Skateboard halsbrecherisch eine lange Abfahrt zu einem isländischen Hafen hinlegt. Eine wichtige Motivation stellt dabei eine Kollegin dar, die ihren Sohn allein erziehende Cheryl. Kristen Wiig, seit „Brautalarm“ weltbekannt als Komödienstar, entpuppt sich hier als wunderbare Schauspielerin.

In „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ geht es wesentlich um eine Verhältnismäßigkeit der Mittel: Welchen Aufwand treibt der Film, um der Fantasie des Helden zu entsprechen? Stiller zeigt mit einer frühen, großen Action-Sequenz, dass er es auch krachen lassen kann, geht dann aber eher in Richtung „Forrest Gump“, bevor er mit einem Auftritt für Sean Penn die große Heldenfahrt noch einmal deutlich als Irrweg ausweist. Das Spektakelkino, mit dem er hier durchaus spielt, soll an traditionelle Werte zurückgebunden werden, an ein inneres Leben, das Ben Stiller nicht zuletzt durch seine eigene Darstellung als Walter Mitty sehr glaubwürdig und nachvollziehbar macht.

Text: Bert Rebhandl

Foto: 2013 Twentieth Century Foc

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ im Kino in Berlin

The Secret Life of Walter Mitty   USA 2013; Regie: Ben Stiller; Darsteller: Ben Stiller (Walter Mitty), Kristen Wiig (Cheryl), Shirley MacLaine (Edna); 115 Minuten; FSK 6

Kinostart: 1. Januar

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