Kino & Stream

Im Kino: Das Psychodrama „Die Besucherin“

Agnes hat alles unter Kontrolle: Beruf und Familie, Liebe und Leben. Glücklich wirkt sie dabei zwar nicht, aber möglicherweise ist dieser Eindruck ja ihrem nüchternen Wissenschaftlerinnennaturell geschuldet. Als ihre Schwes­ter sie beauftragt, sich um eine fremde Wohnung zu kümmern, ergreift die Forscherin Agnes die Gelegenheit, in ein anderes Leben einzudringen – doch dann kehrt der Hausherr zurück und dringt in sie ein.
Dieses eigenartige Ereignis – zwei einander Unbekannte, die un­versehens miteinander schlafen – liest sich wie eine hanebüchene Drehbuchkapriole, sieht in Lola Randls Spielfilmdebüt „Die Besucherin“ jedoch verblüffend glaubwürdig aus. Vor allem, weil es zeichenhaft die Distanziertheit der Hauptfigur zeigt. Sogar in ihrem eigenen Körper ist diese Frau nur zu Besuch; sie ist im Wesentlichen ein Gehirn, das Überlegungen anstellt und sich Experimente ausdenkt. Und Sylvana Krappatsch in der Titelrolle gelingt es hervorragend, die Kluft zwischen Innerem und Äußerem sichtbar zu machen. Ganz allmählich entsteht so aus dem detektivischen Spiel, das Agnes zu ihrer eigenen Unterhaltung begann, ein Psychodrama, das sie, ihre Familie und den fremden Mann mit sich reißen und radikal verändern wird.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Die Besucherin, Deutschland 2008; Regie: Lola Randl; Darsteller: Sylvana Krappatsch (Agnes), Andrй Jung (Bruno), Samuel Finzi (Walter); Farbe, 104 Minuten

Kinostart: 14. Mai

Mehr über Cookies erfahren