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Im Kino: „Das Venedig Prinzip“

Das_Venedig_Prinzip_c_FilmtankGmbHWenn die Realität wie eine billige Fotomontage wirkt, ist etwas gründlich schiefgegangen. Auf dem Plakat zu Andreas Pichlers Dokumentarfilm „Das Venedig Prinzip“ wird die berühmte Kulisse der Serenissima mit ihren Kuppeln überragt vom grotesken Bug eines Megaliners, vor dem die Stadt wie eine Miniatur wirkt, zugleich bedroht und irreal. Und bedroht ist die Lagunenstadt tatsächlich. Zum Mythos Venedig gehört schon seit dem 19. Jahrhundert der dekorative Verfall, doch hat sich dieser in den letzten 20 Jahren durch unsachgemäße Sanierungen und Millionen von Tagestouristen massiv beschleunigt. Astronomische Immobilienpreise führen dazu, dass die Palazzi und Stadthäuser nur noch für touristische Nutzung finanzierbar sind oder als Prestigeobjekte des internationalen Jetsets dienen und einen Großteil des Jahres leer stehen. Mit ihren Bewohnern aber verliert die Stadt ihre Seele. Der Film porträtiert einige von ihnen und macht deutlich, dass hinter diesem Prozess ein massives politisches Versagen steht. Dabei bleibt er aber im elegischen Grundmodus, wo kalte Wut durchaus angebracht wäre.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Filmtank GmbH

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Das Venedig Prinzip“ im Kino in Berlin

Das Venedig Prinzip Deutschland/Österreich/Italien 2012; Regie: Andreas Pichler; 82 Minuten; FSK 0;

Kinostart: 6. Dezember

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