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Im Kino: „Der Babadook“

Der Babadook

Dass die Familie die eigentliche Wiege des Horrors ist, ist keine neue Erkenntnis. Allerdings ist es eine, die sich in immer wieder anderen Varianten vermitteln lässt. Mitunter dient ein katastrophisches Ereignis als ?Katalysator des unheimlichen Geschehens, manchmal ist es ein Ortswechsel, der die Dinge eskalieren lässt. Man kann die Kernfamilie isolieren und zum Durchdrehen in die Einsamkeit schicken, wie es Stanley Kubrick in „The Shining“ tat. Oder man holt sich einen Poltergeist ins Haus und erprobt anhand der gemeinsamen Gegenwehr den familiären ?Zusammenhalt. Man kann sich aber auch infolge eines katastrophischen Ereignisses mehr oder weniger unbeabsichtigt einen Dämon (respektive die Personifikation von etwas Verdrängtem) einfangen, sich mitsamt der Bedrohung im trauten Heim von der besorgten Umwelt abschotten und sich dann ganz allmählich, dafür umso entschiedener dem Wahnsinn ergeben.
Ebendies geschieht in „The Babadook“, dem elegant in Szene gesetzten, herausragend gespielten und – vor allem – intelligent geschriebenen Spielfilmdebüt der Australierin Jennifer Kent. Das Selbstbewusstsein, mit dem dieses Werk einen zentralen Platz unter den bedeutendsten Filmen des Horrorgenres beanspruchen kann, speist sich aus der Figurenkonstellation; hierin liegt der ultimative Schrecken. Ein Vater, der am Tag der Geburt des Sohnes verunglückt; eine Mutter, die den sechsjährigen Sohn für diesen nie verarbeiteten Verlust verantwortlich macht; ein Junge, der seinerseits mit Verhaltensauffälligkeiten auf die nicht nur potenziell neurotische Situation reagiert. Wie Kent zwischen diesen drei Figuren die Wurzel des Übels immer wieder neu verschiebt, wie sie die psychotische Ebene mit der paranormalen verschränkt, das zeugt von Meisterschaft und beeindruckt mit der profunden Kenntnis der psychologischen Fallstricke des Familiären.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Capelight Pictures

Orte und Zeiten: „Der Babadook“ im Kino in Berlin

Der Babadook (The Babadook), Australien/Kanada 2014; Regie: Jennifer Kent; Darsteller: Essie ?Davis (Amelia), Noah Wiseman (Samuel), Daniel Henshall (Robbie); 94 Minuten

Kinostart: Do, 07. Mai 2015

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