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Im Kino: „Der Besucher“


Manche Filme machen den Kopf des Zuschauers frei für die Wahrnehmung von Details: das Ächzen und Seufzen der Bäume, die Blicke eines Jungen, die wortlose Verständigung. Der Debütfilm des 32-jährigen Finnen Jukka-Pekka Valkeapää ist so ein Film. Die gesprochenen Sätze lassen sich fast an zwei Händen abzählen, und bevor die ersten Worte fallen, vergeht eine Viertelstunde.
Die fremde Welt eines finnischen Bauernhofes ohne elektrisches Licht erlebt der Zuschauer durch die Augen des zehnjährigen Sohnes, der ihn gemeinsam mit seiner Mutter bewirtschaftet. Regelmäßig besucht er seinen Vater im Gefängnis. Als eines Tages ein Fremder erscheint, angekündigt vom Vater, der gleichwohl dessen Bleiben später misstrauisch beobachtet, hat das dramatische Konsequenzen.
Die Raben, die wie Unglücksboten gleich mehrfach auftauchen, mögen etwas zu deutlich den fatalen Ausgang der Geschichte beschwören, aber in seinem Stilwillen, der gekonnten Inszenierung von Stillstand und Isolation, ist „Der Besucher“ ein höchst aufregender Film, der die Sinne des aufmerksamen Zuschau­ers stimuliert.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

„Der Besucher“ (Muukalainen), Finnland/Deutschland/Estland/Großbritannien 2007; Regie: Jukka-Pekka Valkeapää; Darsteller: Vitali Bobrov (Junge), Emilia Ikäheimo (Mutter), Pavel Liska (Besucher); Farbe, 103 Minuten;

Kinostart: 5. November

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