Kino & Stream

Im Kino: „Der Chor – Stimmen des Herzens“

Der Chor - Stimmen des Herzens

Ein sozialpädagogischer Traum ist Film geworden: der Traum von der Emanzipation des Menschen von seiner Herkunft durch ästhetische Erziehung. Hier sind es die komplizierten Klanggeflechte historischer Chorwerke, die für den 11-jährigen Stet nach dem Tod seiner alkoholkranken Mutter die Tür in die privilegierten Gefilde der Hochkultur öffnen. Als er wegen seiner außergewöhnlichen Stimme in das Internat des elitären „National Boychoir“ aufgenommen wird, betritt der Film, andächtig wie der Novize selbst, eine Welt der schönen Töne und polierten Oberflächen.
Stilecht auf dem Campus der Yale University gedreht, erzählt „Der Chor“ die ewige amerikanische Geschichte vom Triumph des Underdogs, wobei es kaum irritiert, dass der ganze Ehrgeiz dem ersten hohen C und nicht der ersten Million gilt. Was allerdings fehlt, ist die Wut. Zwar zeigt Stet zunächst noch die milieutypischen Defizite in der Impulskontrolle, aber Dramaturgie und Bilder bleiben fast durchgängig im gediegenen Gestus eines Abonnementkonzertes im Stadttheater.

Text: Stella Donata Haag

Foto: SquareOne / Universum

Orte und Zeiten: „Der Chor – Stimmen des Herzens“ im Kino in Berlin

Der Chor – Stimmen des Herzens (Boychoir), USA 2014; Regie: Francois Girard; Darsteller: Garrett Wareing (Stet), Josh Lucas (Gerard), Dustin Hoffman (Chorleiter Carvelle); 104 Minuten

Kinostart: Do, 27. August 2015

Mehr über Cookies erfahren