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Im Kino: „Der Diktator“ mit Sacha Baron Cohen

Der_DiktatorKaum ein Komiker ist wohl so furchtlos wie Sacha Baron Cohen. Seine entfesselten Brachialkomödien „Borat“ und „Brüno“ waren wiederholte Trips in Gefahrenzonen, in denen er mit seinen bewusst aus den gröbsten schwulen oder kulturellen Klischees entworfenen Kunstfiguren auf Konfrontationskurs ging, um allerlei Lächerlichkeiten und Vorurteile zu entlarven. Nun gibt er den „Diktator“, den größenwahnsinnigen, idiotischen, selbstherrlichen, arglosen, rücksichtslosen, schwer reichen General Admiral Aladeen aus dem fiktiven Wüstenstaat Wadiya – und abgesehen von der nach wie vor intakten Lust am geschmacklosen Provo-Humor ist dabei einiges anders als zuvor.

Diesmal gibt es keinen Mockumentary-Style, keine verunsichernde Verwischung zwischen Realem und Inszeniertem und keine Konfrontationen. „Der Diktator“ hat ein Drehbuch und überrascht damit, dass es sich um eine ziemlich konventionell aufgebaute Fish-out-of-Water-Komödie handelt. Als Verkörperung eines grotesken Diktatoren-Best-Of wird Aladeen darin jäh aus seinem sorglosen Schreckensherrscherparadies gerissen, als er in die USA fährt, um eine Rede vor den Vereinten Nationen zu halten. Durch widrige Umstände landet er jedoch ohne Kleidung, Geld und Vollbart auf den Straßen New Yorks  und im veganen, feministischen Kollektiv der politisch überkorrekten Zoey (Anna Faris), während sein Doppelgänger, ein trotteliger Ziegenhirte, nicht gerade zu seiner Begeisterung seine Diktatoren-Rolle übernimmt.

Während sich Cohen dabei den (Größen-)Wahnsinn, die billige Propaganda und die Exzentrik bekannt berüchtigter Despoten vornimmt, die sich satirisch eigentlich kaum noch überhöhen lässt, feuert er erwartungsgemäß schmerzlos über sämtliche Grenzen hinweg. Allerdings fehlen diesmal nicht nur die Unberechenbarkeit und der gesteigerte Wahnwitz von Cohens bisherigen Kamikaze-Aktionen. Auch die Satire fällt zu selten wirklich zielgerichtet, klug und böse aus. Dennoch funktioniert „Der Diktator“: als eine gemeine Geschmackloskomödie mit erhöhter Gag-Taktung, die mal clever, sehr oft unterhosig pubertär, meist provozierend derb ist und nicht selten auf sehr unterhaltsame Weise alles zugleich.

Text: Sascha Rettig
Foto: Melinda Sue Gordon/Paramount
tip-Bewertung: annehmbar

The Dictator
– Der Diktator im Kino in Berlin
USA 2012; Regie: Larry Charles; Darsteller: Sacha Baron Cohen (Aladeen), Anna Faris (Zoey), Ben Kingsley (Tamir);
83 Minuten, Farbe;
Kinostart: 17. Mai 2012

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