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Im Kino: „Der entsorgte Vater“ von Douglas Wolfsperger

entsorgter_vaterDouglas Wolfspergers Film „Der entsorgte Vater“ zeigt jedoch schon im Titel an, dass er sich polemisch und emotional mit einer gegensätzlichen Erfahrung identifiziert. Es gibt sie, die Mütter, die den Umgang der Väter mit den gemeinsamen Kindern nach einer Trennung erschweren oder zu verhindern suchen. Die Kinder werden in solch komplexen Psychodramen in Loyalitätskonflikte hineingezogen, die es Gutachtern, Gerichten und Verfahrenspflegern schwer machen, im konkreten Fall im Sinne des Kindeswohls zu entscheiden. Abschiede, Ablösungen, auch unverständliche und ungerechte, sind nicht selten, denn auch die Kinder entscheiden oft schon früh mit, wann sie sich aus dem Leidensdruck zwischen den Parteien zurückziehen.

Douglas Wolfsperger darf seine zehnjährige Tochter nicht mehr sehen. Es könnte sein, dass er ihr Heranwachsen mit angeklebtem Bart aus der Ferne ausspionieren muss – so jedenfalls seine larmo­yante Spanner-Vision am Ende. Auf der Website zum Film verbreitet er die Vorgeschichte, die u.a. sein Desinteresse bekundet, die Vaterschaft bei der Geburt anzuerkennen. Überhaupt geht der Film nicht auf die neuen Gesetze ein, die auch unverheiratete Väter beim Sorgerecht und der Umgangsregelung stärken. Auch seine Rivalität zum neuen sozialen Vater des Kindes ist aus Wolfspergers filmischem Leidensbericht getilgt. Er scheint die gebotene Diskretion zum Wohl der Tochter nicht zu mögen und auf die psychologische Reflexion seiner Verstri­ckung zu verzichten, lieber geht er öffentlich auf sein Feindbild, die egomanischen intriganten Mütter und ihre amtlichen Helfershelfer, los.

Der Film suggeriert eine Reise zum amtlich kontrollierten Abschiedstreffen mit dem Kind, auf der er vier Leidensgenossen und eine exemplarisch dominante Matriarchin trifft. Ein Segelflieger, ein Holzfäller, ein Polizist, ein Vorarbeiter – quasi mythische Idealväter – erzählen naiv, wie sie von ihren Exfrauen und Töchtern abgehängt wurden. Anstelle der notwendigen Einlassung auf die jeweiligen Gegenseiten funktioniert das Bild der einen Übermutter. Die Bildern schummern, Trauermusik trieft.

Text: Claudia Lenssen

tip-Bewertung
: Zwiespältig

Der entsorgte Vater Deutschland 2008; Regie: Douglas Wolfsperger; Farbe, 86 Minuten; Kinostart: 11. Juni

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