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Im Kino: „Der Fürsorger“

Der Fürsorger

Das brave Volk hat heimlich etwas übrig für Gauner, die mit Schläue die Obrigkeit austricksen: Outlaws wie der Kaufhausbetrüger Arno Funke etwa oder der Schweizer Millionenbetrüger Hans-Peter Streit. In den Achtzigern gab Streit sich wahlweise als ehrenwerter kleinstädtischer Fürsorger, als Kinderarzt oder jovialer Finanzexperte aus. Schlagzeilen machten seine Deals, bei denen er Mitbürgern das Blaue vom Himmel erzählte und sie reihenweise zum Kauf selbst abgepauster Aktienscheine bewog.
Die authentische, oft unglaublich wirkende Story dient Lutz Konermann als Vorlage für eine launige Komödie im trashig-bunten Achtziger-Look. Streit (charismatisch verkörpert von Roeland Wiesnekker) hockt eingangs am Schreibtisch der Meldebehörde und erzählt in Rückblenden aus seinem Leben. Dem Zwiespalt der Figur spürt der Zürcher Schauspieler nach, so gut es geht, was gar nicht so einfach ist, da der Film nicht allzu viel Zeit für psychologische Nuancen investiert. Lieber malt Konermann noch ein paar Gauner-Episoden mehr aus. Eine Gewichtung, die das Vergnügliche betont, statt in die Tiefen seines zwanghaft geldgierigen Figurenreigens vorzudringen.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Alpha Medienkontor

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Der Fürsorger“ im Kino in Berlin

Der Fürsorger, Schweiz/Deutschland/Luxemburg 2009; Regie: Lutz Konermann; Darsteller: Roeland Wiesnekker (Hans-Peter Stalder/Jean-Pierre/ Dr. Claudius Lenz), Katharina Wackernagel (Orsina Rocchi), Johanna Bantzer (Gerda); 96 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 1. Dezember

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