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Im Kino: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Allan Karlsson (Robert Gustafsson) mag es, wenn es knallt. Aber nicht etwa Silvesterkracher, Pistolen oder Gewehre haben es dem Greis seit frühester Kindheit angetan, sondern ausgewachsene Explosionen aller Art. Dies wird schon in der Eingangssequenz der Bestseller-Verfilmung „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ klar. Als ein Fuchs seinen innig geliebten Kater Molotow tötet, rächt sich Allan, indem er gleich den ganzen Hühnerstall in die Luft jagt, um den Katzenmörder zu erwischen.
Und gleich noch etwas wird mit dieser Szene klar: Regisseur Felix Herngren setzt in seiner Komödie auf die brachialen Facetten des schwarzen Humors. Die Gags kommen mit dem Holzhammer – und sitzen, weil es meist irrwitzige Zufälle sind, die dazu führen, dass Gut und Böse aufeinandertreffen und der Sieger am Ende immer Allan heißt. Ihren Ursprung hat die Verkettung skurrilster Situationen in Allans Entschluss, den Feierlichkeiten zu seinem 100. Geburtstag zu entfliehen. Er steigt aus dem Fenster seines Zimmers in einem Altenheim und wird schon am nahen Bahnhof zum Besitzer eines Koffers voller Geld, weil er eben nicht darauf wartet, bis der Kleinganove sein Geschäft auf dem zu engen Bahnhofsklo erledigt hat, sondern lieber den gerade abfahrenden Bus ins Nachbardorf besteigt. Es beginnt eine aberwitzige Flucht vor den Gangstern, die Allan und seine später hinzukommenden Begleiter um die halbe Welt führen wird.
Bemerkenswert bleiben da die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit denen sich der Protagonist und seine Verfolger bewegen. Während es auf der einen Seite schon allein aufgrund des hohen Alters eher gemächlich vorwärts geht, hetzen die Ganoven von überhasteter Aktion zu überhasteter Aktion und kommen letztlich doch immer einen Tick zu spät. In der Ruhe liegt also die Kraft, und wenn Allan wie ein neuer Forrest Gump davon erzählt, wie er mit Stalin Wodka gesoffen hat oder dem spanischen Diktator Franco das Leben gerettet hat, wird seinen Mitstreitern schnell klar, dass es trotz aller Explosionen und kritischer Situationen noch immer gut gegangen ist.

Text: Martin Zeising

Foto: 2014 Concorde Filmverleih GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ im Kino in Berlin

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (Hundraaringen som klev ut genom fonstret och försvann), ?Schweden 2014; Regie: Felix Herngren; Darsteller: Robert Gustafsson (Allan Karlsson), Iwar Wiklander (Julius Jonsson), David Wiberg (Benny); 114 Minuten; FSK 0

Kinostart: 20. März

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