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Im Kino: „Der Solist“ mit Jamie Foxx

Der Begriff Freundschaft hat sich verändert in Zeiten von Face­book und Co. Die beiden Männer im Zentrum von „Der Solist“ hätten sich in den auf Plauderei und Empfehlungen fußenden Netzwer­ken jedenfalls kaum gefunden: Der eine ist wohl situiert, der andere ein Sozialfall. Dass zwischen den Extremen dennoch Nähe wachsen kann, will der britische Regisseur Joe Wright in seinem ers­ten Hollywoodfilm glaubhaft machen.
Dafür schlüpft Robert Downey Jr. in die Rolle des engagierten Lokalreporters, der seine Storys auf den Straßen von Los Angeles aufliest. Zwischen Drogenszene und tosendem Freeway entdeckt er den Obdachlosen Nathaniel, der außerordentlich gut auf der Geige spielt. In ihm glaubt der Schreiber eine spannende Figur für seine Zeitungskolumne entdeckt zu haben. Jamie Foxx spielt nach „Ray“ einmal mehr das fragile Musikergenie, bei dem hier zur feinen Seele noch eine schwelende Persönlichkeitsspaltung kommt. Die Krankheit ist der Grund dafür, warum der einstige Stipendiat in der Gosse landete – und warum der Journalist versucht, den Gefallenen zu retten.
Zwar spielen die beiden Stars gewissermaßen ihre Paraderollen, doch fällt es schwer, sich für die Figuren zu erwärmen: Zu schwer lastet das Sendungsbewusstsein auf dem Erzählton. Immer wieder zeigt die Kamera bei Musikszenen lange Close-ups von Foxx’ Gesicht, in dessen Zügen meist überbordende Ergriffenheit tobt. Wenn zusätzlich ein ums andere Mal Beethoven von der Tonspur schallt, schafft der Gefühlsoverkill eher Abstand statt Empathie. Stiller ist die Heilkraft von Musik hier nicht zu haben.
Auch für das Elend, krank und obdachlos zu sein, findet „Der Solist“ nur großspurige Bilder. Die drogenzerstörte Klientel in L.A.s „Skid Row“ sieht ungefähr so aus wie die Freakshow auf dem Cover des Doors-Albums „Strange Days“. Und wenn die verlorenen Kinder der Stadt im Finale zu Nathaniels Celloklängen tanzen, wirkt das sonderbar schal. Der fraglos gut gemeinte Film stellt dann jene Leute aus, für die er doch eigentlich eine Lanze brechen will.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Der Solist“ im Kino in Berlin

Der Solist (The Soloist), Großbritannien/USA 2009; Regie: Joe Wright; Darsteller: Jamie Foxx (Nathaniel Anthony Ayers), Robert Downey Jr. (Steve Lopez), Catherine Keener (Mary Weston); Farbe, 117 Minuten

Kinostart: 10. Dezember

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