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Im Kino: „Detlef – 60 Jahre schwul“

Detlef

Wer sich mit der Schwulenbewegung beschäftigt, stößt früher oder später auf Detlef Stoffel: einen charismatischen Macher, der in den Siebzigern seine Heimat Bielefeld zum zwischenzeitigen Hot Spot der Bewegung machte. Zu seinem 60. Geburtstag montiert die sehr persönlich gefärbte Doku „Detlef“ Erinnerungen an aufrührerische Zeiten. Dem gegenüber stehen Eindrücke von heute, die Stoffel als nachdenklichen, teils desillusionierten Mann zeigen. Interviews mit Mitstreitern – darunter Prominente wie Lilo Wanders oder Corny Littmann – und oft grandiose Archivfilme erzählen von Stoffels Aktionen: etwa der ersten schwulen WG, selbst gedrehten „Imagefilmen“, fantasievoll-provokanten Demos. Auch die Achtziger zeigen ihn rührig als einen der ersten Biokost-Großhändler. Der politische Kampf aber war längst verebbt, zu heterogen hatte sich die Bewegung entwickelt; Stoffels kämpferischer „Lustbrigade“ standen vermehrt konservative Lebensmodelle gegenüber. Der Jubilar, der heute zurückgezogen lebt und seine resolute alte Mutter pflegt, begegnet der Gefangenheit in der bürgerlichen Enge mit Sarkasmus und sympathischer Melancholie. Die Provinz frisst ihre Kinder, selbst die revolutionären.

Text: Ulrike Rechel

Foto: PRO-FUN MEDIA

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Detlef – 60 Jahre schwul“ im Kino in Berlin

Detlef – 60 Jahre schwul, Deutschland 2012; Regie: Stefan Westerwelle, Jan Rothstein; mit: Detlef Stoffel, Lilo Wanders, Corny Littmann, Anneliese Stoffel, Gustav-Peter Wöhler; 90 Minuten; FSK 16.

Kinostart: 1. November

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