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Im Kino: „Die abhandene Welt“

Die abhandene Welt

Der Titel von Margarethe von Trottas neuem Spielfilm ist einem der berühmten Rückert-Lieder entlehnt: „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ aus dem Jahr 1901. „Ich bin gestorben dem Weltgetümmel und ruh’ in einem stillen Gebiet!“ Wie in dem Lied verhält es sich auch mit Paul Kromberger (Matthias Habich). In einem „stillen Gebiet“ steht sein sachlich eingerichtetes Haus mit Teich im Garten. Seine Frau ist vor einem Jahr gestorben. Umso überraschender trifft Kromberger ein Bild im Internet. Caterina Fabiani (Barbara Sukowa), eine New Yorker Operndiva, ähnelt seiner verstorbenen Frau bis aufs Haar. Kromberger bittet seine Tochter Sophie (Katja Riemann), der Merkwürdigkeit nachzugehen. Sie soll an seiner statt nach New York reisen.
Margarethe von Trotta hat in „Die abhandene Welt“ eine Anordnung nach bewährtem (autobiografischen) Muster geschaffen. Im Zentrum der Handlung stehen zwei Frauen, die in ihrer Begegnung etwas über sich erfahren. In diesem Fall ist alles ganz besonders verzwackt, der Plot ist so ausgereizt, dass eine kleine Änderung das doch etwas wacklige Gebilde schnell zum Einsturz bringen könnte. Dazu wird es an einigen Stellen sehr sentimental und sehr rosarot – die neuerliche Wendung hin zum Weltgetümmel erfüllt alle Figuren mit einer außerordentlichen Leidenschaft. Aber es ist keine überhitzte Emphase, sondern eine wärmende.

Text: Carolin Weidner

Foto: 2015 Concorde Filmverleih GmbH

Orte und Zeiten: „Die abhandene Welt“ im Kino in Berlin

Die abhandene Welt, Deutschland 2015; Regie: Margarethe von Trotta; Darsteller: Barbara Sukowa (Caterina ?Fabiani), Katja Riemann (Sophie), Matthias Habich (Paul Kromberger); 101 Minuten

Kinostart: Do, 07. Mai 2015

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