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Im Kino: Die Dokumentation „Drifter“

Berlin, Bahnhof Zoo: Straßenkinder, Drogen, Prostitution – Lebensumstände, von denen Nichtgroßstädter vor rund 30 Jahren wenig wussten. Zwischen Faszination und Entsetzen schwankten damals die Reaktionen auf die Verfilmung von Christiane F.s „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo„. Heute wäre es wohl eher Gleichgültigkeit. Mit „Drifter“ setzt Sebastian Heidinger hier einen Hebel an, holt drei junge Menschen aus der anonymen Grauzone und gibt ihnen etwas Würde zurück.
Aileen (16), Angel (23) und Daniel (25) erlauben Einblicke in ihr Leben, das schmerzlich illusionslos geworden ist. Entschleunigt vergehen die Tage, konzentriert auf Drogen und Geld und die wenigen Freundschaften, die überlebenswichtig sind. Heidinger kommentiert nicht, kuckt nur zu – einfach war das nicht. Zärtlich und nüchtern zugleich ist ihm diese Dffb-Abschlussarbeit gelungen. Sie stellt keine Fragen nach dem Woher und Warum, ist fokussiert auf den Moment und die Eigenheiten der drei. Und so beginnt „Drifter“ plötzlich eine raue Geschichte zu erzählen. Davon, wie es heute zugeht auf dem Strich, in den Notunterkünften und blanken City-Toiletten rund um den Bahnhof Zoo.

Text: Cristina Moles Kaupp

Orte und Zeiten: „Drifter“ im Kino in Berlin

tip-Bewertung: Sehenswert

Drifter, Deutschland 2007; Regie: Sebastian Heidinger; Farbe, 81 Minuten

Kinostart: 11. Juni

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