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Im Kino: „Die feinen Unterschiede“

Die feinen Unterschiede

Obwohl sich der Arzt Sebastian als weltoffener Vertreter einer Post-Klassengesellschaft inszeniert, pflegt er soziale und kulturelle Ressentiments. Die einst vom Soziologen Pierre Bourdieu analysierten Abgrenzungstechniken beherrscht der neue Bourgeois genau wie der alte, auch wenn Sebastian die Tochter seiner bulgarischen Putzfrau Jana zum Essen in familiärer Runde lädt. Als jene Tochter nach einer Partynacht mit Sebastians Sohn nicht nach Hause kommt, werden der deutsche Arzt und die bulgarische Reinigungskraft auf ihrer Suche nach dem Mädchen mit den stereotypen Einstellungen des jeweils anderen konfrontiert. Der Kitt der formalisierten Beziehung bröckelt, die wechselseitige Abneigung bricht sich Bahn. Leider hält der Film die anfängliche Subtilität nicht durch; dem didaktischen Anspruch ist die ein oder andere dramaturgische Schwäche geschuldet. Trotzdem ist „Die feinen Unterschiede“ das gelungene Porträt einer Gesellschaft, die ihre kultur-hierarchischen Anwandlungen noch lange nicht überwunden hat.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: Neue Visionen

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Die feinen Unterschiede“ im Kino in Berlin

Die feinen Unterschiede, Deutschland 2012; Regie: Sylvie Michel; Darsteller: Wolfram Koch (Sebastian), Bettina Stucky (Jana), Leo Bruckmann (Arthur); 82 Minuten; FSK 12

Kinostart: 7. März 

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