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Im Kino: „Die Frau des Polizisten“

Die Frau des Polizisten

Uwe Perkinger und seine Frau Christine haben etwas gemeinsam, was in Beziehungen meistens sehr hilfreich ist: Sie können miteinander albern sein. Sie spielen einander kleine Streiche. Wenn Christine im Bad von einer Laune überkommen wird und Uwe ausgiebig mit einem Strahl aus der Zahnspülung bedenkt, dann verliert er darüber nicht seinen Humor. Und es kommt auch vor, dass sie minutenlang mit Seifenblasen spielen, mit einer Hingabe, die man so eigentlich eher von ihrer Tochter Chiara erwarten würde.
Die Perkingers sind eine ganz normale deutsche Kleinfamilie, mit einem Leben zwischen Hausschuhen und Waschmaschine, Fernseher und Wochenendausflug. Doch es gibt in ihrem Leben auch noch ein dunkles Geheimnis. Es zeigt sich an den Schrammen und Blutergüssen, von denen der Körper von Christine übersät ist. Sie wird von ihrem Mann geschlagen. Derselbe Uwe, mit dem sie immer wieder so einträchtige Momente teilt, rastet regelmäßig aus und prügelt dann auf sie ein. Wenn man sie so sieht mit den Spuren der Gewalt, dann fragt man sich unwillkürlich: Warum geht sie nicht weg?
Die Frau des PolizistenPhilip Gröning verzichtet in seinem Film „Die Frau des Polizisten“ auf eine Antwort. Genauer müsste man wohl sagen: Er selbst stellt diese naheliegende Frage gar nicht. Ihn interessiert ganz offensichtlich etwas anderes, nämlich eine eigentümliche Balance, die das Leben zwischen Geheimnis und Gewalt findet. Es ist eine Balance, die sich über psychologische Aspekte hinwegsetzt und sich in Paartherapien nicht erschließen lässt.
Es ist aber auch eine Balance, die er nicht aus dem Drama der Familie Perkinger heraus entwickelt, sondern die er ihm mehr oder weniger überstülpt. Denn andernfalls hätte Gröning stärker darauf achten müssen, seine Figuren auch ein wenig plausibel zu machen. Das ist bei den beiden Frauen noch bis zu einem gewissen Grad der Fall, doch der Urheber der Gewalt, der Polizist Uwe, missrät zu einer üblen Karikatur von Impulsivität. „Du bist doch die Basis meiner Logistik“, schreit Perkinger auf die hilflose Christine ein, und wenn dieser Satz arg gewollt klingt, dann bekommt man schon eine Ahnung von anderen Indizien, die Gröning anbietet, um Uwe und seine Macht über die Familie zu charakterisieren.
Von einer prätentiösen Einteilung in viele kurze Kapitel bis zu einer zentralen großen Szene mit einem Verkehrsunfall, dessen Opfer pittoresk drapiert in der Landschaft herumliegen, zeigt Gröning, dass ihm vor allem daran gelegen ist, zu stilisieren. Die Not seiner Figuren wäre üblicherweise der Maßstab für eine Erzählung, die auch im Wiederholungszwang noch nach denkbaren Auswegen sucht. Doch hier ist die Prämisse eine andere: Das besiegelnde Moment der Gewalt ist die Kunst, nach der die Regie strebt.

Text: Bert Rebhandl?

Fotos: 3L Filmverleih

tip-Bewertung: ?Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Die Frau des Polizisten“ im Kino in Berlin

Die Frau des Polizisten, ?Deutschland 2013; Regie: Philip Gröning; Darsteller: Alexandra Finder (Christine Perkinger), David Zimmerschied (Uwe Perkinger), Pia ?Kleemann (Clara Perkinger), Chiara Kleemann (Clara Perkinger); ?179 Minuten; FSK 16

Kinostart: 20. März

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