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Im Kino: „Die Geschichte vom Astronauten“

Die Geschichte vom Astronauten

Charlotte ist eine unzuverlässige Erzählinstanz, denn Charlotte ist Schriftstellerin. Im Zweifelsfall, so sagt sie, verlässt sie sich auf ihre Vorstellungskraft. Das heißt, dass sie sich, wenn notwendig, ihre Wirklichkeit neu erfindet. Godehard Giese ist eine nicht minder unzuverlässige Erzählinstanz, denn er ist der Regisseur der Films, in dem Charlotte auf einer spanischen Insel an einer Geschichte über eine Frau schreibt, die auf ihren abwesenden Mann wartet, den titelgebenden Astronauten. Dabei ist Charlotte umgeben von Menschen, in deren Leben einE AbwesendeR eine schmerzende Leerstelle bildet. Vielleicht ist das alles aber auch bloß Erfindung. Die Grenze zwischen Dichtung und Wahrheit, sie verschwimmt nicht lediglich in „Die Geschichte vom Astronauten“, ihr Gar-nicht-erst-Vorhandensein bestimmt den Charakter des Films als Psychothriller zwischen Kunst-Reflexion und Form-Experiment. Ein mehrfarbig schillerndes Faszinosum.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Eric Ferrantini / Eigenverleih Herrmann + Giese

Orte und Zeiten: „Die Geschichte vom Astronauten“ im Kino in Berlin

Die Geschichte vom Astronauten, Deutschland 2014; Regie: Godehard Giese; Darsteller: Stephanie Petrowitz (Charlotte), Ruth Diehl (Renate), Hubertus Hiess (Sal); 81 Minuten

Kinostart: Do, 03. Dezember 2015

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