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Im Kino: „Die Hälfte der Stadt“

Die Hälfte der Stadt

Um so mehr Bedeutung besitzen die Fotografien des 1890 geborenen Chaim Berman, die vor einigen Jahren wiederentdeckt wurden. Er porträtierte die Einwohner dieser Gegend, die wie damals das ganze östliche Mitteleuropa multikulturell, multiethnisch und multireligiös war. Viele von ihnen wurden vertrieben, verschleppt, ermordet. Den Juden Berman, der auch als auf Ausgleich und Verständigung bedachter Kommunalpolitiker wirkte, versteckte sein katholischer Nachbar, doch er starb an einer Krankheit.
Pawel Siczek (Jahrgang 1977) zeigt heutige Aufnahmen von Kozienice, er spricht mit den hochbetagten Rettern von Bermans Bildern und ergeht sich vor allem in dem Versuch, dessen über weite Strecken unspektakuläres Leben nachzuerzählen. Dabei wird das mittlerweile nahezu unvermeidliche „Reenactment“ mal nicht von grimassierenden Laienakteuren besorgt, sondern durch naiv anmutenden Zeichentrick. Dass Siczeks Familie aus dieser Gegend stammt, wie wenig über diese als rückständig betrachtete Region in früheren Zeiten festgehalten wurde, wie schwierig die Recherchen waren: solche interessanten Informationen erhält man nur aus dem Presseheft. Und von Bermans Bildern – fast 10.000 sollen es sein – sind nur wenige zu sehen. Schade.

Text: RFD

Foto:  Leykauf Film Zur Verfügung gestellt von: Shalom Foundation Polen, Warschau

Orte und Zeiten: „Die Hälfte der Stadt“ im Kino in Berlin

Die Hälfte der Stadt, Deutschland 2015; Regie: Pawel Siczek; 86 Minuten

Kinostart: Do, 05. November 2015

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