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Im Kino: „Die Königin und der Leibarzt“

Die Königin und der Leibarzt

Die Dänen haben einen Lauf. Jussi Adler-Olsen führt regelmäßig die Bestsellerlisten an, die Handballer sind Europameister, Brigitte Nielsen thront als Dschungelkönigin. Auch im Kino wissen die Dänen, wie man gewinnt. Lars von Triers „Melancholia“ wurde als bester Europäischer Film 2011 ausgezeichnet, während sein Landsmann Nicolas Winding Refn für sein Neo-Noir-Stück „Drive“ in Cannes den Regiepreis erhielt. Da mochte die diesjährige Berlinale-Jury nicht zurückstehen und bedachte einen dänischen Film gleich mit zwei Silbernen Bären. Zu viel der Ehre, denn Nikolaj Arcels Geschichtsdrama „Die Königin und der Leibarzt“ ist nicht so überzeugend wie „Drive“ oder (auf ihre Art) Brigitte Nielsen. Der Film erzählt eine beispiellose Episode aus der europäischen Geschichte. Sie spielt um 1770 in Kopenhagen. Auch damals haben sie in Dänemark die Nase vorn und sind für kurze Zeit Europameister der Aufklärung. Allerdings nur dank eines deutschen Armenarztes aus Altona, den man zum Leibarzt des dänischen Königs beruft.
Der glühende Aufklärer Johann Friedrich Struensee wird schnell zum Vertrauten des leicht debilen Christian VII. Mit dessen Hilfe bringt Struensee viele Reformen auf den Weg. Leider schwängert er nebenbei die ebenfalls von der Aufklärung beseelte Königin Caroline Mathilde. Das ist der Anfang vom Ende des magischen Dreiecks, die Reaktion schlägt zurück: Struensee landet auf dem Schafott, Caroline im Exil und Christian am Katzentisch des Kabinetts. Das größte Pfund des Films ist seine historisch verbürgte Story, eine wuchtige Mischung aus Tragödie und Trash voller Machtkämpfe, Liebe, Sex, Intrigen, Verrat, Wahnsinn, Gewalt und Leidenschaft. Das andere Pfund sind die Schauspieler: Mads Mikkelsen, Mikkel Boe Fшlsgaard und Alicia Vikander erledigen ihre Arbeit mehr als solide. Was man von Regisseur und Drehbuchautor Nikolaj Arcel nicht sagen kann. Wo Niedertracht, Begierde oder Irrsinn herrscht, wählt Arcel zuverlässig das wohltemperierte Gefühl. Alles ist an seinem Platz, die Szenen sind hübsch ausgeleuchtet und mit breiigem Musikgewummer beschallt. Manche Dänen mögen’s lieber brav.

Text: Volker Gunske

Foto: Jiri Hanzl / MFA Film Distribution

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Die Königin und der Leibarzt“ im Kino in Berlin

Die Königin und der Leibarzt (En kongelig affaere), Dänemark/Schweden/Tschechien/Deutschland 2012; Regie: Nikolaj Arcel; Darsteller: Mads Mikkelsen (Johann Friedrich Struensee), Mikkel Fшlsgaard (Christian VII.), Alicia Vikander (Caroline Mathilde); 130 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 19. April

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