Kino & Stream

Im Kino: „Die Kunst zu lieben“

Die_Kuinst_zu_liebenEin Lehrstück sollte man sich von diesem Film nicht erwarten. Seine Episoden liefern keine Anleitung zur Kunstfertigkeit, zelebrieren die Liebe vielmehr im Aggregatzustand der Komplikation. Allerdings wird in ihnen nach Kräften experimentiert. Da bietet Isabelles beste Freundin ihr an, deren verdrießliche Enthaltsamkeit durch die Liebesdienste ihres Mannes zu beenden. Zwei Paare, ein jüngeres und ein älteres, wollen dem Verlangen wieder auf die Sprünge helfen, indem sie sich Verabredungen mit anderen erlauben. Der Konflikt zwischen Freundschaft und Begehren soll im Schutz eines stockfinsteren Hotelzimmers seine Lösung finden. Die Liebe triumphiert allemal; freilich weniger aufgrund des Zutuns derer, die sie suchen, sondern als widerständiger Zauber. Listig wehrt sie sich gegen die Streiche, die ihr das Begehren und der Zufall spielen wollen. Voller Zuversicht verweilt sie im Wartestand des Aufschubs. Sie lässt sich, allem fehlgeleiteten Ehrgeiz der Beteiligten zum Trotz, nicht einmal zerreden. Mit zuvorkommendem Spott betrachtet Emmanuel Mouret Zögern und Wankelmut seiner Figuren. Ihre Überwindung inszeniert er als galanten Slapstick. Seit fast anderthalb Jahrzehnten schon dreht er Filme wie diesen, in denen er eigensinnig das Erbe von Marivaux und Eric Rohmer weiterträgt. Diesmal hat er eine schüchterne Dosis Boccaccio hinzugefügt: Der Erzählstrang um die Liebesverwechslung im abgedunkelten Hotelzimmer gehört zu den schönsten Intrigen, die er bislang gesponnen hat.  
Mit hübsch gespreizter Eleganz, die in der Regel diesseits des Manierismus bleibt, inszeniert Mouret leichtfüßige Divertissements über die Liebesirrungen von Charakteren, die aller sonstigen Nöte enthoben sind. Das Begehren bleibt stets höflich bei ihm, seine Erfüllung eine milde Ergriffenheit. Klug hat er auch diese Komödie als Ensemblestück angelegt, was die emotionale Fallhöhe begrenzt und eine schonungsvoll breite Streuung der Ironie gewährleistet. Als Regisseur ist er ein verbindlicher Komplize seiner Charaktere, eine Haltung, die er gern auch dadurch demonstriert, dass er selbst eine der Hauptrollen übernimmt. Das ist nicht immer seine beste Idee. Allerdings bringt seine Präsenz auch diesmal ein glänzend besetztes Ensemble, allen voran Julie Depardieu, vorteilhaft zur Geltung.    

Text: Gerhard Midding
Foto: Camino Filmverleih
tip-Bewertung: Sehenswert

L’art D’Aimer – Die Kunst zu lieben im Kino in Berlin
Frankreich 2011; Regie: Emmanuel Mouret; Darsteller: François Cluzet (Achille), Frйdйrique Bel (Achilles Nachbarin), Julie Depardieu (Isabelle);
88 Minuten; FSK 0;
Kinostart: 17. Mai

Mehr über Cookies erfahren