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Im Kino: „Die Liebe seines Lebens“

Die Liebe seines Lebens

Kein Film hat diese interpretatorische Zurichtung mit dem Zaunpfahl verdient, die das Original „The Railway Man“ im deutschen Verleihtitel zu „Die Liebe seines Lebens“ umdichtet. Wobei die Romantisierung tatsächlich mitverantwortlich ist für das Scheitern dieser Verfilmung des autobiographischen Beststellers von Eric Lomax. Dabei ist das Thema vielversprechend: in den sanftgemusterten britischen Nachkriegsjahren lernen sich der exzentrische Eisenbahnfan Eric und die Krankenschwester Patti beim Zugfahren kennen und lieben. Doch ihre Ehe wird bald von Erics unverarbeitetem Trauma aus japanischer Kriegsgefangenschaft überschattet. Mit dem nun einsetzenden Prozess des Erinnerns gerät das zuvor fein austarierte Gefüge von Gesagtem und Ungesagtem in die Schieflage. Zwar spielt Colin Firth großartig die typisch britische Verschlossenheit als Mischung aus stiff upper lip und Verletzlichkeit, doch gegen den groben Pinselstrich des Historiendramas hat er keine Chance. Die Rückblenden zum brutalen Eisenbahnbau in Birma wie der Showdown in der Gegenwart führen bildsprachlich und dramaturgisch zurück in das schematische Denken der Kriegszeit; selbst das finale Völkerverständigungspathos hat einen deutlichen Hautgout.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Jaap Buitendijk / 2015 Koch Films GmbH

Orte und Zeiten: „Die Liebe seines Lebens“ im Kino in Berlin

Die Liebe seines Lebens (The Railway Man), AUS/GB 2013; Regie: Jonathan Teplitzky; Darsteller: Colin Firth (Eric Lomax), Nicole Kidman (Patricia), Jeremy Irvine (Eric Lomax, jung); 108 Minuten

Kinostart: Do, 25. Juni 2015

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