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Im Kino: „Die Liebenden“

Die Liebenden

Das Erinnern an Jacques Demy hat Konjunktur im französischen Kino. War der 1990 verstorbene Regisseur, der in seinen Filmen persönliche Erinnerungen und Vorlieben in melancholische, musicalhafte Melodramen goss, zu seinen Lebzeiten eine eher singuläre Gestalt, so berufen sich nun gleich mehrere Filmemacher auf seine Tradition. Valйrie Donzelli gehört dazu (siehe „Das Leben gehört uns“), ebenso wie Christophe Honorй, der das Terrain bereits in „Chanson der Liebe“ (2007) erkundete und nun für „Die Liebenden“ mit Catherine Deneuve („Die Regenschirme von Cherbourg“) auch gleich noch eine von Demys wichtigsten Darstellerinnen zur Verfügung hat. Amtliche Beglaubigung gewissermaßen.
„Die Liebenden“ verfolgt das Leben und die Liebesbeziehungen zweier Frauen, Mutter (Deneuve) und Tochter (Chiara Mastroianni), über mehr als 40 Jahre hinweg und entwirft dabei in verschiedenen Stimmungen ein weit aufgefächertes Panorama vom Umgang mit Sex und Gefühlen im Lauf der Jahrzehnte. Chansons vertiefen und umspielen die Empfindungen der Protagonisten auf Streifzügen durch Paris, London und Mont­rйal, ersetzen dabei teilweise die Dialoge wie im klassischen Musical.
Deneuve spielt Madeleine, eine ehemalige Schuhverkäuferin und Teilzeitprostituierte, die in den 1960er-Jahren (die junge Madeleine verkörpert dabei die temperamentvolle Ludivine Sagnier) einen tschechischen Kunden heiratet, sich nach dem Einmarsch der Russen in Prag wieder scheiden lässt – aber, inzwischen längst mit einem französischen Polizisten verheiratet, vom sporadisch auftauchenden Ex-Mann (Miloљ Forman) auch nicht die Finger lassen kann. Madeleines Verhältnis zum Sex ist verspielt und auch ein wenig naiv, in ihrer Unbekümmertheit erscheint sie meist als heiteres Kind ihrer Zeit. Tochter Vйra, die erst einen unerträglichen Schnösel abservieren muss, um sich dann rettungslos und vergeblich in eine Amour fou zu einem homosexuellen, HIV-infizierten Drummer zu verstricken, hat bereits mit anderen Problemen zu kämpfen. Hier nimmt ein Drama seinen Lauf, das man auch als ein zeitgenössisches Update der Werke von Demy verstehen kann, in denen derartige Themen allenfalls unterschwellig mitschwangen.

Text: Lars Penning

Foto: Senator Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Liebenden“ im Kino in Berlin

Die Liebenden (Les bien-aimйes), Frankreich/Großbritannien/Tschechien 2011; Regie: Christophe Honorй; Darsteller: Catherine Deneuve (Madeleine), Chiara Mastroianni (Vйra), Ludivine Sagnier (Madeleine, jung) ; 139 Minuten; FSK 12

Kinostart: 3. Mai

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