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Im Kino: „Die Päpstin“ von Sönke Wortmann

Als die amerikanische Schriftstellerin Donna Woolfork Cross 1996 ihren Historienroman „Die Päpstin“ veröffentlichte und damit einen weltweiten Bestseller schuf, schrie das Buch förmlich nach einer Verfilmung durch große Hollywoodstudios. Umso erstaunlicher schien es, als sich zunächst kein Geringerer als „Blechtrommel“-Regisseur Volker Schlöndorff an die Umsetzung der literarischen Vorlage fürs Kino machte.
Viele Jahre – und vor allem Streitereien – später, nahm letztendlich Sönke Wortmann auf dem Regiestuhl Platz und verfilmte das opulente Historiendrama um eine mutige Frau im tiefsten Mittelalter, deren Bildungsdrang viele Zufälle später darin münden sollte, als Mann verkleidet den Papstthron zu besteigen.
Was in der kurzen Zusammenfassung jedoch durchaus noch nach spannendem Plot klingen mag und in der Hauptfigur vielleicht sogar auf eine modern anmutende Frau schließen lässt, scheitert in der Verfilmung gnadenlos. Wortmann verzichtet in seiner Umsetzung auf jede Art von Tiefgang und hakt die einzelnen Lebensabschnitte der Johanna von Ingelheim (Johanna Wokalek) ohne jedes Interesse an seinen Filmfiguren ab. Am Ende jedenfalls weiß man als Zuschauer über die inneren Beweggründe Johannas genauso wenig, wie noch am Anfang des Films. Das mag durchaus an den vielen Zufällen und glücklichen und unglücklichen Begebenheiten liegen, denen sich die junge Frau stellen muss, doch letztlich bleibt auch ein Zufall nur spannend, wenn er überraschend kommt und nicht durch die durchgängige Schwarz-Weiß-Malerei der Charaktere bereits absehbar ist.
In Wortmanns Film bleiben die Figuren eindimensional und verschwinden somit chancenlos hinter dem durchaus gelungenen Bild des Mittelalters, das der Regisseur zeichnet. Eine konsequente Weiterführung der detaillierten und schonungslosen Ausstattung der damaligen Zeit wäre vielleicht eine Chance für den Film gewesen. So aber bleibt der böse Vater bis zu seinem Tod böse, die feige Mutter bis zur letzten Konsequenz feige und Johanna selbst den kompletten Film hindurch – das Wortspiel sei bitte verziehen – päpstlicher als der Papst.
Hinzu kommt, dass man – bei aller Wertschätzung – Johanna Wokalek den intelligenten Jüngling, für den sie sich als Johanna ausgeben muss, oft nicht abnimmt. Zu weiblich sind ihre Bewegungen, zu schüchtern selbst die wenigen Gefühlsausbrüche und so verkommt die Filmfigur zum Spielball äußerer Einflüsse, denen sie sich bei aller behaupteten Stärke nur selten widersetzt.
Am Ende bleibt also eigentlich nur ein mit melodramatischer Musik zugekleistertes, verfrühtes Weihnachtsmärchen, dessen Kitsch spätestens in dem Moment in Lächerlichkeit umschlägt, als die weibliche Päpstin just dann zusammenbricht, als ihr heimlicher Geliebter (an den sie ihre Unschuld im gleißenden Mondlicht eines idyllischen Sees verlor) den Dolchstoß erhält.

Text: Martin Zeising

tip-Bewertung: Uninteressant

Orte und Zeiten. „Die Päpstin“ im Kino in Berlin

Die Päpstin (Pope Joan), Deutschland/Großbritannien/Italien/Spanien 2009; Regie: Sönke Wortmann; Darsteller: Johanna Wokalek (Johanna von Ingelheim), David Wenham (Gerold), John Goodman (Papst Sergius); Farbe, 149 Minuten

Kinostart: 22. Oktober

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