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Im Kino: „Die Räuberin“

Die Räuberin

Als Tania zu Thore „ich will dich“ sagt, meint sie das wörtlich. Die fremde, kürzlich zugezogene Frau will den jungen Mann, der ihr Sohn sein könnte, haben. Sie will „etwas für ihn tun“, will dafür sorgen, dass er aus diesem nordfriesischen Kaff herauskommt und die Welt sieht. Denn der Junge, den die anderen für nicht ganz richtig im Kopf halten, hat dichterisches Talent. Dessen beunruhigende Äußerungen geben im Verein mit den bedeutungsschweren Blicken der verschlossenen Bildhauerin Tania dem Film eine seltsame Zweideutigkeit. Zwischen gedeckelten Gefühlsausbrüchen und angestrengtem Nachdenken bleiben die Motive der Figuren zunächst unscharf, scheint der Sinn des Ganzen irgendwo in der Kritik an der geistigen Enge dörflicher Ödnis zu liegen. Dann aber die Erkenntnis: „Die Räuberin“, Spielfilmdebüt des langjährigen Drehbuchautors von Dominik Graf, Markus Busch, erzählt wie in ­Trance – entschleunigt, kursorisch, elliptisch – von einem gewaltsamen Akt: der Entscheidung, die eigene Einsamkeit zu überwinden, ein Gegenüber zu suchen, Kontakt herzustellen, Sorge zu tragen, Verantwortung zu übernehmen. Ein neues Leben zu beginnen, möglicherweise.

Text: Alexandra Seitz

Foto: dйjа-vu Film

tip-Bewertung: Annehmbar

Die Räuberin, Deutschland 2011; Regie: Markus Busch; Darsteller: Birge Schade (Tania), Daniel Michel (Thore), Kai Ivo Baulitz (Vater); 94 Minuten; FSK 12

Kinostart: 21. Juni

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