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Im Kino: Die Superman-Verfilmung „Man of Steel“

Man of Steel

Von den populärsten Comic-Superhelden war Superman schon immer der stoffeligste: Die Quasi-Unverwundbarkeit des modernen Siegfried vom Planeten Krypton machte ihn irgendwie auch langweilig – gebrochene Helden wie Batman und Spider-Man bieten dramaturgisch bessere Möglichkeiten. Mehr als ein bisschen Identitätskrise light – Wer bin ich und wo komme ich her? – war bei Superman hingegen nie drin. Jetzt erfolgt mit „Man of Steel“ also der Neustart der Superman-Serie, und Christopher Nolan, der zuletzt Batman in einen trübsinnigen Grübler verwandelt hatte, zeichnet zumindest als Story-Ko-Autor verantwortlich. Kann er dem Superhelden zu etwas mehr Charisma verhelfen?
Nun, nicht wirklich. Zwar wird das Thema mit deutlich mehr Ernst angegangen als etwa in den „Superman“-Filmen von Richard Lester, und es gibt eine Reihe von schönen, leicht philosophischen Szenen zwischen Superman (Henry Cavill) und dem Geist seines leiblichen Vaters (Russell Crowe), die ihrerseits in Kontrast zu Szenen zwischen Clark Kent/Superman und seinem irdischen Ziehvater (Kevin Costner) gesetzt werden. Doch der bislang eher unbeschriebene britische Mime Henry Cavill wirkt dabei wie in Stein gemeißelt, und die Gesamtdramaturgie des Films folgt in der Streuung spektakulärer Actionszenen letztlich doch eher der eines konventionellen Blockbusters. Wobei die mit klar erkennbarem 9/11-Bezug serienweise einstürzenden New Yorker Hochhäuser im Zusammenhang mit Popcorn-Kino durchaus fragwürdig wirken.  
Das bedeutet allerdings nicht, dass das Ganze nicht unterhaltsam wäre: Der schlachtenerprobte und von bürgerlichen Moralvorstellungen nicht sonderlich angekränkelte Regisseur Zack Snyder („300“) hat offenbar seine Freude an der Kreation von H.-R.-Giger-ähnlichen Science-Fiction-Welten und begeht in der Inszenierung der Actionsequenzen auch nicht den Fehler, austauschbare Schergen in unübersichtlichen Szenarien so lange ballern zu lassen, bis man völlig den Überblick verloren hat. In „Man of Steel“ weiß man genau, wer auf wen eindrischt, wobei der außerirdische Krypton-Schurke General Zod (Michael Shannon) hier ansatzweise auch charakterliches Profil gewinnt. Was einmal mehr beweist, dass die Bösen eigentlich fast immer interessanter sind als ungebrochene Superhelden.

Text: Lars Penning

Foto: Clay Enos / 2013 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Man of Steel“ im Kino in Berlin

Man of Steel, USA/Kanada 2013; Regie: Zack Snyder; Darsteller: Henry Cavill (Clark Kent/Superman), Amy Adams (Lois Lane), Michael Shannon (General Zod); 143 Minuten; FSK 12

Kinostart: 20. Juni  

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