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Im Kino: „Die Wahlkämpferin“

Im Kino:

Gewinnt eine Wahl der beste Kandidat oder vielleicht doch eher derjenige, der das beste Wahlkampfteam hat? In diesem Film wird eine einst erfolgreiche US-Wahlkampfmanagerin angeheuert, bei der bevorstehenden Wahl in Bolivien einem Kandidaten zum Sieg zu verhelfen, dessen Politik US-freundlicher ausfallen dürfte als die seines populistischen Gegenkandidaten. Dass sich Jane Bodine darauf einlässt, hat aber auch damit zu tun, dass der Gegenkandidat von ihrem Intimfeind Pat Candy gecoacht wird. „Du siehst müde aus“ bemerkt der bei ihrem ersten Aufeinandertreffen. In der Tat: Sandra Bullock, die diese Frau verkörpert, spielt sie nicht mit ihrer sonstigen patent-problemlösenden Art, sondern als durchaus verzweifeltes und an sich selber zweifelndes Individuum mit einem Bewusstsein der eigenen Abgründe. Um sich ihren Kandidaten, der in der Tat nicht wie ein Mann des Volkes erscheint, schönzureden, benötigt sie schon einige Zeit. Dann aber schreckt sie auch vor Schlägen unter die Gürtellinie nicht zurück.
Amerikaner, die in ein Land der Dritten Welt einfallen, um ihm ihren Stempel aufdrücken zu wollen, sind immer ein dankbares Thema für Satire. Allerdings hat das Drehbuch von Peter Straughan hier nicht dieselbe Dichte wie seine John Le Carrй-Adaption „König. Dame, As, Spion“ und auch nicht dieselbe satirische Schärfe wie sein „Männer, die auf Ziegen starren“. Der wurde, wie „Die Wahlkämpferin“, von George Clooney produziert, der mit seiner eigenen Regiearbeit „The Ides of March“ allerdings auch schon einen komplexeren Film zum Thema politischer Intrigen vorgelegt hat. Vielleicht war es aber auch die Absicht von Regisseur David Gordon Green, die satirischen Elemente des Stoffes zugunsten einer Charakterstudie, wie schon in „Prince Avalanche“ (oder den danach gedrehten und hierzulande nicht ins Kino gekommenen Filmen „Joe“ und „Manglehorn“) im Zaum zu halten. Das funktioniert für die von Sandra Bullock verkörperte Figur, aber als Ganzes hinterlässt der Film einen unentschiedenen Eindruck – eine verpasste Chance.

Text: Frank Arnold

Foto: Warner Bros. Pictures Germany

Orte und Zeiten: Die Wahlkämpferin

Our Brand is Crisis USA 2015, Regie: David Gordon Green, Darsteller:
Sandra Bullock (Jane Bodine), Billy Bob Thornton (Pat Candy), Anthony
Mackie (Ben), Joaquim de Almeida (Castillo), Zoe Kazan (LeBlanc), 108
Min.

Kinostart: Do, 21. Januar 2016

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