• Kino & Stream
  • Im Kino: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“

Kino & Stream

Im Kino: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“

Am Anfang steht das Ende: ein Autounfall, zwei Tote und ein Überlebender, der seinen Namen aus dem Personalausweis ablesen muss. Alex heißt er und ist zunächst alles andere als begeistert, als sich in Gestalt seines vitalen Großvaters Bai Dan der Balkan mit Rotweinflasche und Back­gam­mon­brett in seinem ordentlichen deutschen Krankenzimmer breit macht. Die Wiedergewinnung der eigenen Biografie ist nicht eindeutig ein Heilsversprechen, denn es ist auch eine Geschichte von Flucht und Scheitern, die nun parallel erzählt wird, während das ungleiche Paar auf dem Tandem nach Bulgarien radelt.
Der bulgarische Regisseur Stephan Komandarev kennt die Landschaften seiner Heimat und ihre Bewohner, setzt deren bauernschlaue Störrigkeit und feinsinnige Sentimentalität liebevoll in Szene. Seine Adaption von Ilja Trojanows autobiografischem Schelmenroman ist dort stark, wo sie auf atmosphärische Präzision setzt, und schwächelt im Allegorischen: das Bild der Welt und des Lebens als (Backgammon-)Spiel lauert tatsächlich überall und wird jedem, der es hören will oder auch nicht, erbarmungslos auseinandergesetzt.
Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“ konzentriert sich jenseits dieses mutwilligen Leitmotivs klugerweise auf das kon­trastreiche Zusammenspiel der beiden Protagonisten als sein größtes Kapital. Der Serbe Miki Manojlovic, ein Veteran aus den Filmen Kusturicas, stattet den Großvater mit der lebenslustigen Melancholie Osteuropas aus, neben der Carlo Ljubeks Enkel blass wirken muss. Der junge deutsch-kroatische Bühnenschauspieler, der zurzeit in Berlin am Gorki-Theater zu sehen ist, nimmt sich gekonnt zurück, wirkt verunsichert und gehemmt, wie es einem ansteht, der sich selbst fremd ist.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“ im Kino in Berlin

Die Welt ist groß und Rettung lauert überall (Svetat e golyam i spasenie debne otvsyakade), Deutschland/Bulgarien/Slowe­nien 2008; Regie: Stephan Komandarev; Darsteller: Miki Manojlovic (Bai Dan), Carlo Ljubek (Alex), Hristo Mutafchiev (Vasko); Farbe, 105 Minuten

Kinostart: 1. Oktober

Mehr über Cookies erfahren