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Im Kino: „Dragan Wende“

Dragan Wende

Angepriesen als der etwas andere Film zum Mauerfalljubiläum, porträtiert die Dokumentation den Jugoslawen Dragan Wende, der in den 1970er-Jahren nach West-Berlin kam und dank der Blockfreiheit Jugoslawiens mit seinem Pass ein im Rückblick verklärt gutes Leben zwischen den Systemen lebte. Wendes Reich war die Halbwelt am Ku’Damm, und seine Jobs als Türsteher von Rolf Edens Diskotheken gehörten dabei noch zu den seriöseren seiner Tätigkeiten.
Heute ist Wende Schlepper eines Bordells, zuhause sitzt er in Unterhose oder Bademantel herum, versucht, die deutsche „Wende“ nach Kräften zu ignorieren und lamentiert, dass früher alles besser war. Das gestaltet sich in der dauernden Wiederholung allerdings eher nichtssagend und uninteressant, allein das direkte Aufeinandertreffen mit dem Lebenskünstler Rolf Eden, der sein Glück darin findet, fast nie zurückzublicken und in allem das Positive zu sehen, verspricht hier für ein paar Minuten Spannung. Dass die beiden West-Berliner Nachtclubgrößen schließlich in einer profanen Apotheke stehen, wo sich einst eine von Edens berühmten Diskos befand, ehe Eden dann im Rolls-Royce davonfährt und Wende ins Bordell zurückkehrt, entbehrt immerhin nicht eines gewissen bösen Witzes.

Text: Lars Penning

Foto: Lena Mu?ller

Orte und Zeiten: „Dragan Wende“ im Kino in Berlin

Dragan Wende, Deutschland 2013, Regie: Lena Müller, Dragan von Petrovic; 87 Min.

Kinostart: Do, 06. November 2014

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