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Im Kino: „Dürrenmatt“

Dürrenmatt

Um sich dem Menschen hinter einem Klassiker wie „Der Besuch der alten Dame“ zu nähern, konzentriert sich Regisseurin Sabine Gisiger in ihrem Porträt auf das Familienleben von Friedrich Dürrenmatt. Interviews, Fotos und öffentliche Reden des Dichters montiert sie mit Gesprächen, die sie mit den Kindern und der Schwester führte. Da Dürrenmatt selbst kaum über Privates sprach, ergibt sich auf die Weise eine vermittelte Nähe. Es entsteht das Bild eines hochsensiblen, dauerproduktiven und leicht zu verunsichernden Geistes, der in symbiotischer Verbindung mit seiner Frau lebte, den eigenen Kindern aber oft fern blieb. Das politisch Hellsichtige, das ihn zum Bürgerschreck der Schweizer Gesellschaftselite machte, findet ebenfalls seinen, wenn auch kleineren Platz. Es bildet neben den bisweilen drolligen Beobachtungen des Schriftstellers mit seiner Schwäche für fettes Essen oder im Dialog mit seinem Kakadu, den notwendigen Gegenpol.

Text: Ulrike Rechel

Foto: DCM Filmdistribution

Orte und Zeiten: „Dürrenmatt“ im Kino in Berlin

Dürrenmatt, Schweiz 2015; Regie: Sabine Gisinger; 76 Minuten

Kinostart: Do, 05. November 2015

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