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Im Kino: „Durst“ von Park Chan-wook

Der koreanische Originaltitel des achten Films von Park Chan-wook lautet übersetzt „Fledermaus„. Bekanntlich kann Graf Dracula in Gestalt dieser Tiere zu seinen Opfern flattern, und tatsächlich geht es hier um einen Vampirfilm – der mit den im Wes­ten üblichen Genreregeln allerdings wenig gemein hat. Zwar trinkt Park Chan-wooks Vampir Blut, erträgt kein Sonnenlicht und ist bedingt flugtauglich, aber nicht als Fledermaus, sondern nach Art von Ninjas wie im Hongkong-Kino.
Es handelt sich um einen katholischen Priester, der als Testperson für einen neuen Impfstoff versehentlich eine Vampirbluttransfusion bekommt und so selber zum Untoten wird. Als frommer Christ versucht er seinen Durst zu stillen, ohne jemanden umzubringen, durch Spenderblut im Krankenhaus. Doch die Wandlung seines Wesens weckt auch die Libido des bislang keuschen Kirchenmannes, und als er sich in eine verheiratete Frau verliebt, wird der Blutdurstige auch noch sexhungrig. Infolge ihrer Ausschweifungen bekommt die Frau ebenfalls Appetit auf den roten Lebenssaft, und bald saugen beide Menschen aus – die bei dieser Ernährungsweise praktischen langen Eckzähne wachsen ihnen allerdings nicht.
Wie in „Old Boy“ schockt Park Chan-wook mit krassen Gewaltdarstellungen und ekligen Szenen. Doch „Durst“ ist weniger ein Horrorfilm, mehr ein Liebesmelodram.
Wie schon in früheren Werken von Park geht es um Sündenfall und Sühne. Dabei ist diesmal nicht Rache das Thema, sondern der schwere Gewissenskonflikt eines Geistlichen, der Erlösung von den eigenen Sünden sucht, hat er doch gegen die biblischen Gebote „Du sollst nicht töten“, und „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib“ verstoßen. Dass ein Regisseur aus Korea sich mit christlicher Religiosität auseinandersetzt, ist weniger verwunderlich, wenn man weiß, dass Park in einer katholischen Familie aufwuchs und Philosophie studierte. Zudem bekennen sich heutzutage immer mehr Koreaner zum Christentum. Im Grunde geht es um die ethische Frage, ob man das eigene Leben auf Kosten anderer Menschenleben retten darf.

Text: Ralph Umard

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Durst“ im Kino in Berlin

Durst (Bakjwi), Südkorea 2009; Regie: Park Chan-wook; Darsteller: Song Kang-ho (Sang-hyeon), Kim Ok-bin (Tae-joo), Kim Hae-sook (Lady Ra); Farbe, 133 Minuten; Kinostart: 15. Oktober

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