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Im Kino: „Ein Freitag in Barcelona“

Ein Freitag in Barcelona

Individuelle Entwicklungsgeschichten und die vielfältigen Herausforderungen, die sie mit sich bringen, enden bei keinem Menschen mit dem Abschluss der Adoleszenz. Der Analytiker Erik H. Erikson hat vor Jahrzehnten ein vielstufiges System von Konflikten entworfen, die wir alle durchschreiten, mit Aufgaben, die er jeder Generation zuordnen wollte: liebesfähig werden, sich binden, sich großzügig für die eigenen Nachkommen interessieren. Die Männer in „Ein Freitag in Barcelona“, allesamt um die Vierzig, sind schwer von der sogenannten Midlife-Crisis gezeichnet, die sie aus ganz handfesten Gründen oder aus Mutwillen ihr Leben infrage stellen lässt. Es sind melancholische Figuren, die der Film in schwachen Momenten abholt, ausgehöhlt von Krankheit, von Eifersucht oder ihrer Trauer über das Eheleben, dem sie Monate zuvor mit einer jungen Geliebten entflohen sind. Oder einfach nur bereit für ein Abenteuer in der Arbeitsstelle, das sie gedemütigt zurücklässt, bevor es stattfindet. Vor dem Hintergrund der spanischen Krise wirkt Cesc Gays Film wie ein abgeklärter Spiegel eines noch größeren sozialen Desasters, mit Helden, die kaum fassen können, wie sich ihre Handlungsräume zu verengen scheinen, aber das mit einer erstaunlichen Gelassenheit ertragen.

Text: Robert Weixlbaumer

Foto: Camino Filmverleih

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Ein Freitag in Barcelona“ im Kino in Berlin

Ein Freitag in Barcelona (Una pistola en cada mano), Spanien 2012; Regie: Cesc Gay; Darsteller: Ricardo Darнn (G.), Luis Tosar (L.), Javier Cбmara (S.); 95 Minuten; FSK 0

Kinostart: 11. Juli  

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