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Im Kino: „Ein Papagei im Eiscafй“

Ein Papagei im Eiscafй

„Wir Ertrinkenden gehen in ein Land, wo sie noch mehr ertrinken“, sagt der junge Marokkaner Rachid in Ines Thomsens Film. Er ist in El Raval angespült worden, dem Armenviertel in Barcelonas Altstadt. Hier verirrt sich nur selten ein Tourist hin, und erst recht nicht in den Friseursalon, in dem Rachid arbeitet. Die wenigen Kunden bestehen aus alteingesessenen Katalanen, die hier noch leben, und aus marokkanischen Landsleuten.
Ines Thomsen porträtiert in ihrem Film mit viel Gespür für Alltagssituationen das Paralleluniversum von Friseurläden in Barcelona. Die Betreiber sind Migranten aus aller Welt, sie lieben ihr Handwerk, aber sie haben keine wirkliche Perspektive und dafür ein umso größeres Heimweh nach ihren Familien, von denen sie oft getrennt leben. In einer der schönsten Städte Europas zu leben tröstet sie nicht über die bittere Erkenntnis hinweg, dass etwas grundsätzlich nicht stimmt, wenn man seine Heimat verlassen muss, um sich in der Fremde eine gerade mal prekäre Existenz aufzubauen. Die warmherzigen Beobachtungen werden so auch zu einem klugen Kommentar über die Schieflage einer Welt, in der Menschen entwurzelt und als „Wirtschaftsflüchtlinge“ stigmatisiert werden.

Text: RFD

Foto: Filmtank

Orte und Zeiten: „Ein Papagei im Eiscafй“ im Kino in Berlin

Ein Papagei im Eiscafй, Deutschland/Spanien 2014; Regie: Ines Thomsen, 80 Minuten

Kinostart: 04. Juni 2015

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