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Im Kino: „Ein Sommer in New York – The Visitor“

Ein Mann Ende 50 schaut mit matter Traurigkeit in eine Welt, die ihm nicht mehr viel zu bieten hat. Walter Vale (Richard Jenkins) mag einst zu den feinsinnigen Wirtschaftsprofessoren gezählt haben, inzwischen schummelt er sich nur noch durch den Lehrbetrieb an einer Universität in Connecticut. Zu Hause müht er sich mit Klavierstunden und hofft dabei, dass ihn die Klänge mit seiner verstorbenen Frau verbinden, die auf dem Instrument brillierte.
Schon mit seinem Regie­debüt „Station Agent“ (2004) bewies Schauspieler Thomas McCarthy sein ausgesuchtes Gespür für Außenseiter: Sein Protagonist, ein von Eisenbahnen besessener Kleinwüchsiger, wird dort zum Magneten für seltsame Charaktere. Auch „Ein Sommer in New York“ führt seine Figuren zu spannenden Schicksalsbegegnungen, doch er gründelt nicht nur im Privaten. Walter Vale wird jäh aus seiner Lähmung gerissen, als er einen Kongress in New York besuchen muss. Er hat auch dort eine Wohnung, unbenutzt seit dem Tod seiner Frau. Hier stößt Walter unvermutet auf den syrischen Musiker Tarek und seine senegalesische Freundin Zainab, zwei illegal in den USA lebende Muslime.
So fremd sich die drei zunächst auch sind, Walter rührt das junge Paar, er lädt es ein zu bleiben. Angesteckt von Tareks Trommelkünsten, versucht Walter sein Geschick auf der Djembe und erwacht dabei aus seiner Erstarrung. Doch dann wird Tarek grundlos verhaftet, er soll abgeschoben werden. Und Walter wird jäh bewusst, wie sehr sich „seine“ USA seit 9/11 verändert haben. Ist Multikulti nur noch ein Mythos?
„Ein Sommer in New York“ verlagert nun folgerichtig die sensible Charakterstudie in den Hintergrund. Individuelles Glück hat unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen wenig Chancen, der viel bemühte amerikanische Traum ist eine Farce. Keine neue Erkenntnis, doch McCarthy bebildert sie mit anrührenden und tragikomischen Szenen. Er plädiert für Umdenken, Lust an neuen Erfahrungen und ein intelligentes Miteinander der Kulturen. Ein alter, aber notwendiger Traum.

Text: Cristina Moles Kaupp

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Ein Sommer in New York – The Visitor“ im Kino in Berlin

Ein Sommer in New York – The Visitor (The Visitor), USA 2007; Regie: Thomas McCarthy; Darsteller: Richard Jenkins (Walter Vale), Haaz Sleiman (Tarek Khalil), Hiam Abbass (Mouna Khalil); Farbe, 108 Minuten

Kinostart: 14. Januar

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