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Im Kino: „Eine neue Freundin“

Eine neue Freundin

Die Bestimmung der sexuellen Identität als Ausdruck der persönlichen Freiheit des Individuums ist eines der großen Themen der Filme von François Ozon. Nachdem er zuletzt in „Jung und schön“ (2013) eine 17-jährige Schülerin als Prostituierte auf Selbsterfahrungstrip geschickt hatte, begibt sich „Eine neue Freundin“ wiederum in den von Ozon schon häufiger ausgeloteten Queer-Bereich – allerdings auf kompliziertere Weise, als es zunächst den Anschein hat.
Die Geschichte nimmt ihren Ausgangspunkt mit dem Tod: Laura (Isild Le Besco), Ehefrau, junge Mutter und beste Freundin von Claire (Anaпs Demoustier) seit Kindertagen, stirbt im Hospital; Claire gibt das Versprechen, sich um Lauras Ehemann David (Romain Duris) und das Baby zu kümmern. Als Claire eines Tages David besucht, findet sie diesen in Frauenkleidung vor: Er ist ein Cross-Dresser, denn schwul, so sagt David, sei er nicht.
Tatsächlich interessiert sich der Film nun aber kaum für Davids Selbstfindung, sondern vor allem für Claire, die nach dem ersten Schreck den noch zurückhaltenden David schrittweise in die titelgebende „neue Freundin“ verwandelt und in ihrer Beziehung zu „Virginia“ auch eine erotische Attraktion findet, die sie sich in der Freundschaft zu Laura nie eingestehen wollte. Höhepunkt ist schließlich ein Liebesspiel, bei dem sie David/Virginia im entscheidenden Moment zurückweist: „Du bist ein Mann!“
Dass die Geschichte aber nie so recht funktionieren mag, liegt vor allem an dem häufig zu beobachtenden Hang Ozons, die ganze Konstruktion wie eine artifizielle Versuchsanordnung zu betrachten: märchenhaft losgelöst von der Realität, bewusst undramatisch an der Grenze zur Farce (als David nach einem Unfall ins Koma fällt, fragen sich seine Schwiegereltern, warum er wohl Frauenkleidung trug: „Ob er zu einem Kostümfest wollte?“) – und somit letztlich auch emotionslos.

Text: Lars Penning

Foto: Weltkino / 2014 MANDARIN CINEMA / MARS FILM / FRANCE 2 CINEMA / FOZ JEAN / CLAUDE MOIREAU

Orte und Zeiten: „Eine neue Freundin“ im Kino in Berlin

Eine neue Freundin (Une nouvelle amie), Frankreich 2014; Regie: François Ozon; Darsteller: Romain Duris (David/Virginia), Anaпs Demoustier (Claire), Raphaël ?Personnaz (Gilles); 108 Min.

Kinostart: Do, 26. März 2015

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