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Im Kino: „Eine offene Rechnung“

Eine offene Rechnung

Aus dem Western „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ ist eine berühmte Weisheit überliefert: Wenn die Legende zum Faktum wird, druckt man eben die Legende. So ist es auch in dem Thriller „Eine offene Rechnung“ von John Madden, der eine weitgehend werkgetreue amerikanische Version des israelischen „Ha’Hov“ (The Debt, 2007) ist. Die Legende betrifft eine Kommandoaktion des israelischen Geheimdienstes Mossad in Ost-Berlin wenige Jahre nach dem Mauerbau. Drei junge Agenten, zwei Männer und eine Frau, haben die Aufgabe, den ehemaligen KZ-Arzt Vogel in ihre Gewalt zu bringen, damit ihm der Prozess gemacht werden kann. Bei dem Versuch, ihn in den Westen zu bringen, geht etwas schief, immerhin gelingt es den Agenten dabei aber, Vogel zu töten. Für diese Tat werden sie daheim bis in die jüngere Vergangenheit wie Helden gefeiert.
Dass sich die Sache in Wahrheit anders zugetragen hat, muss niemand interessieren, solange die Legende nicht durch neue Fakten erschüttert wird. Genau dies tritt natürlich ein, und so ist „Eine offene Rechnung“ ein Film, der auf zwei Zeitebenen erzählt wird, mit jeweils zwei Darstellern für die wichtigen Rollen. John Madden hat dabei die ziemlich klare Konstruktion des israelischen Vorbilds eher kompliziert gemacht, es dauert fast eine halbe Stunde, bis man sich in dem amerikanischen Remake zurechtfindet. Helen Mirren erweist sich schließlich als die zentrale Figur, sie spielt Rachel, um deren inneren Konflikt es vor allem geht. „Eine offene Rechnung“ ist ein anspruchsvoller Polit-Thriller nach dem Vorbild von Spielbergs „München“. John Madden, der zuletzt mit dem interessanten „Killshot“ sein mit „Shakespeare in Love“ erarbeitetes Qualitäts-Image offensichtlich bewusst aufs Spiel setzte, arbeitet hier stärker die Genre-Elemente heraus, spielt die politischen Implikationen eher in den Hintergrund, und setzt am Ende auf eine Gewissensentscheidung zwischen Legende und Fakten.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Universal

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Eine offene Rechnung“ im Kino in Berlin

Eine offene Rechnung (The Debt), USA/Großbritannien/Ungarn 2010; Regie: John Madden; Darsteller: Helen Mirren (Rachel Singer), Sam Worthington (David, jung), Jessica Chastain (Rachel, jung); 113 Minuten; FSK 16

Kinostart: 22. September

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