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Im Kino: „Engelbecken“

Engelbecken

Das Kreuzberger Engelbecken liegt im ehemaligen Sperrgebiet der Berliner Mauer. Gamma Bak und Steffen Reck machen diesen Ort zum Sinnbild ihres gleichnamigen Dokumentarfilms über ihre Beziehung, die sich Ende der 80er Jahre einen Weg über die Mauer hinweg bahnen musste. Im Film sind Telegramme zu sehen und Zollpapiere (für eine Rose, ein Paar Feinstrumpfhosen, einen Döner Kebab), daneben Notizen in Kalendern und Kritzeleien. Aber auch zahlreiche Protokolle der Staatssicherheit, die das Treiben von Bak und Reck stets im Blick hatte.
Eine besondere Dramatik erhält die Geschichte durch den Gesundheitszustand Steffen Recks, den das Dasein in der DDR in Depressionen stürzte. Freunde und Kollegen der freien Theatergruppe „Zinnober“, deren Gründungsmitglied Reck war, kommen zu Wort. Resonanzen entstehen zu Gamma Baks Film „Schnupfen im Kopf“ von 2010, der wiederum Baks wiederkehrende psychotische Krisen zum Thema hatte. In „Engelbecken“ präsentiert sie sich überaus aufgeschlossen, einige Videotagebuch-Aufnahmen, die in „Schnupfen im Kopf“ zu sehen waren, tauchen auch hier wieder auf.
Auf Seiten Steffen Recks sprechen vor allem einzelne Mitschnitte von „Zinnober“-Aufführungen oder dokumentarische Aufnahmen, in denen er als junger Mann hinter Schwaden von Zigarettenqualm verschwindet. An ihm arbeitet sich der Film ab, ihm sind Wörter wie „Enge“ gewidmet.
Bak und Reck bringen sich gar nicht erst in die Position, etwas so komplexes wie einen krisenhaften Zustand intellektuell zu erklären. Sie stellen es anders an: sie machen ihn erfahrbar. „Engelbecken“ ist ein in Grautönen gehaltenes Potpourri, das vergangenes Empfinden rekonstruiert und sich an ein früheres Selbst herantastet. Das Ergebnis ist ein Gefühl, das einen mit einem Stück Geschichte auf eine Art zu verbinden vermag, wie man es vielleicht noch gar nicht kannte.

Text: Carolin Weidner

Foto: GMfilms

Orte und Zeiten: „Engelbecken“ im Kino in Berlin

Engelbecken, Deutschland 2014; Regie: Gamma Bak, Steffen Reck; 85 Minuten

Kinostart: Do, 03. Septemver 2015

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