Kino & Stream

Im Kino: „Everyday Rebellion“

Everyday Rebellion

Der Global Noise Day ist der Tag, an dem die Töpfe sprechen. Auf der ganzen Welt geben Menschen auf diese Weise zu erkennen, dass sie nicht einverstanden sind: mit der Ungerechtigkeit, mit der Übermacht der Banken, mit der häufig repressiven Politik. Auf den Topf zu klopfen ist ein Zeichen des Widerstands, das im Grunde alle setzen können. Und genau danach suchen die Brüder Arash und Arman T. Riahi in ihrem Dokumentarfilm „Everyday Rebellion“. Auf der ganzen Welt entdecken sie Ansätze zu einer politischen Praxis von unten, die mit Protesthandlungen beginnt: die jungen Frauen von Femen in der Ukraine, die „Sexindustrie, Kirche und Diktatur“ bekämpfen; die Menschen in Syrien, die mit Graffitis und beschrifteten Tischtennisbällen gegen den Potentaten Assad vorgehen; die Leute in den USA, die es mit der Wall Street aufnehmen; die Bewegung in Spanien, die sich gegen die Zwangsräumungen von Wohnraum wendet.
Ein Gipfeltreffen der Protestkultur haben die Riahi-Brüder auch im Film: Femen tat sich an einer Stelle mit Aliaa ?Elmahdy zusammen, jener ägyptischen Bloggerin, die sich nackt gezeigt hat, um gegen die Unterdrückung der Frauen in ihrem Land zu protestieren. „Everyday Rebellion“ wurde zum größten Teil 2012 gedreht, als die Eindrücke vom Arabischen Frühling noch jung waren und gewisse Hoffnungen auf Occupy ruhten. Zwei Jahre später sieht die Sache stark danach aus, dass die Machtverhältnisse autoritärer und ungerechter denn je sind. Umso mehr ist „Everyday Rebellion“ ein Plädoyer für die kleinen Schritte, die besonders beeindruckend ein Vertreter der serbischen Bewegung Otpor! erläutert. Nach diesem Film hat man jedenfalls den Eindruck, dass die globale Opposition vielleicht doch nicht so ohnmächtig ist, wie es oft den Anschein hat.

Text: Bert Rebhandl

Foto: W-film / Golden Girls Filmproduktion

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Everyday Rebellion“ im Kino in Berlin

Everyday Rebellion, Österreich/Schweiz 2014; Regie: Arash T. Riahi, Arman T. Riahi; 118 Min.

Kinostart: Do, 11. September 2014

Mehr über Cookies erfahren