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Im Kino: „Fack Ju Göhte 2“

Im Kino:

Das pädagogische Naturtalent Zeki Müller funktioniert in der Schule deswegen so gut, weil er ein Antilehrer ist: ein Mann, dem das Wort „Missgeburt“ fast noch schneller über die Lippen kommt als seinen „hochbegabten“ Schutzbefohlenen. Im ersten Teil von „Fack Ju Göhte“ ging es darum, dass das System Schule nur noch durch einen Mann von außen zu retten ist, ein Muskelpaket, in dem ein Mister Richtig steckt, dem sich die Frauen wie in alten Zeiten kichernd oder zeternd unterwerfen. Der riesige Erfolg machte eine Fortsetzung unumgänglich, und dieses Mal setzt Bora Dagtekin („Türkisch für Anfänger“) ein paar bessere Schwerpunkte. Er widmet sich nämlich stärker den Schülern, wobei vor allem die Krisenschlampe Chantal (Jella Haase) deutlich an Profil gewinnt. Auf einer Klassenfahrt nach Thailand geht es zwar so hektisch zu, dass man fast schon von ADHS-Kino sprechen müsste. Aber damit „holt“ Dagtekin vermutlich wirklich ein Zielpublikum ab, dessen Therapieform (in der besten Szene des Films) das wechselseitige Vorlesen von Whatsapp-Nachrichten ist. Vom „Dschungelcamp“ bis zu Youtube sichert sich „Fack Ju Göhte 2“ populärkulturell in jeder Hinsicht ab, schafft damit aber tatsächlich so etwas wie eine Komödie für die Generation Smartphone: gute wie schlechte Ideen wirbeln wild durcheinander, eine Erzählung gibt es nur noch am Rande, viele Szenen ploppen einfach auf und verdünnisieren sich wieder. Vermutlich ist „Fack Ju Göhte 2“ damit realistischer als der Großteil des gegenwärtigen deutschen Kinos, das hier in den Abgrund seiner künftigen Bedeutungslosigkeit schauen kann. Es sei denn, Chantal macht mal ein Youtube-Tutorial zu Til Schweiger.

Text: Bert Rebhandl

Foto: 2015 Constantin Film Verleih GmbH / Christoph Assmann

Orte und Zeiten: Fack Ju Göhte 2

Fack Ju Göhte 2 D 2015, Regie: Bora Dagtekin, Darsteller: Elyas M’Barek, Karoline Herfurth, Katja Riemann, 115 Min.

Kinostart: Do, 10. September 2015

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