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Im Kino: „Fasten auf Italienisch“

Fasten auf Italienisch

Die Daunenjacke, die Kad Merad in dem Filmhit „Willkommen bei den Sch’tis“ anhatte, tauscht er als Ferrari-Verkäufer Dino Fabrizzi gegen einen Anzug ein. In dem Autohaus, das sein Chef ihm bald übergeben will, hat er für jeden ein fröhliches „Buongiorno“ übrig, denn Dino ist ein Italiener in Frankreich. Jedenfalls gibt er sich als ein solcher aus: Tatsächlich verleugnet Mourad Ben Saoud – so sein richtiger Name – seine algerischen Wurzeln. Doch dann wird der sympathische Aufschneider von seinem kranken Vater gebeten, an dessen Stelle den Fastenmonat Ramadan abzuhalten. Trotz eines Ratgeberbuchs „Islam für Dummies“ und Besuchen bei einem Imam tut Dino sich schwer, sein lieb gewonnenes Alter Ego aufzugeben. Als seine Lebenslüge schließlich auffliegt, findet er sich betend in einem algerischen Gefängnis wieder.
Was als augenzwinkernder Beitrag zur Integrationsdebatte anfängt, endet mit einem bemüht ernsthaften Läuterungsprozess. So wird aus dem freien Spiel mit verschiedenen Identitäten ein religiöser Selbstfindungstrip. Und weil der Film sich zwischen Komödie und Drama nicht entscheiden kann, steht der lustige Dino am Ende im Kaftan da. Schade, der Anzug stand ihm besser.

Text: Cosima Grohmann

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Fasten auf Italienisch“ im Kino in Berlin

Fasten auf Italienisch (L’Italien), Frankreich 2010; Regie: Olivier Baroux; Darsteller: Kad Merad (Dino/Mourad), Valйrie Benguigui (Hйlиne), Roland Giraud (Charles Lemonnier); 102 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 13. Januar 

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