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Im Kino: „The Fighter“

The Fighter

Sein linker Haken war gefürchtet, seine Nehmerqualitäten erstaunlich. Zum Helden des Rings wurde der 1965 geborene US-Weltergewichts­boxer Micky Ward, als er nach jahrelanger Auszeit (aufgrund einer Handverletzung und familiärer Probleme) ein grandioses Comeback schaffte und Weltmeister wurde. Der mit Mark Wahlberg als Ward und Christian Bale in der Rolle seines drogensüchtigen Halbbruders und Trainers Dicky Eklund prominent besetzte biographische Spielfilm „The Fighter“ könnte den Namen Micky Ward nun auch hierzulande bekannt machen.
Für die Ringschlachten, die hier im Titelkampf Wards gegen Shea Neary am 11. März 2000 in London kulminieren, hat sich Wahlberg durch dreijähriges Boxtraining sichtlich in Form gebracht. Doch geht es im Film mehr um familiäre als um sportliche Auseinandersetzungen: um Wards Konflikte mit dem Bruder, mit der Freundin und mit der Mutter, einer aufdringlichen Schreckschraube, die als Boxmanagerin fungiert und ihre Großfamilie – zwei Söhne, sieben Töchter (dargestellt von Wards wirklichen Schwestern) – mit eisernem Willen dominiert. Auch Micky hat einen unbedingten Durchsetzungswillen, doch er ist diszipliniert und zurückhaltend, während Dicky von der Mutter das extrovertierte Temperament geerbt hat: Geschwätzig und geltungsbedürftig will er immer im Mittelpunkt stehen.
Von der bildästhetisch hochstilisierten Darstellung des Boxmilieus in Scorseses „Raging Bull“, wo die Beziehung zweier Brüder mit unterschiedlichem Charakter ebenfalls großen Raum einnimmt, ist „The Fighter“ weit entfernt. Stilistisch eher grob gestrickt, besitzt der Film tragikomischen B-Picture-Charme: Einige Familientreffen wirken fast wie eine Farce, und vor allem Christian Bale geht in seiner Darstellung stets hart bis an die Grenze des Overacting. Wahlberg, der den Film als Koproduzent maßgeblich mitinitiiert und -gestaltet hat, meistert seine Rolle hingegen souverän. Eine vergleichbare Sportlerkarriere hatte er ja schon in „Unbesiegbar“ (2006) dargestellt, der Kinobiografie über Vince Papale, der vom armseligen Bierzapfer zum glorreichen American-Football-Star avancierte.

Text: Ralph Umard

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The Fighter“ im Kino in Berlin

The Fighter, USA 2010; Regie: David O. Russell; Darsteller: Mark Wahlberg (‚Irish‘ Micky Ward), Christian Bale (Dicky Eklund), Melissa Leo (Alice Ward); 117 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 7. April

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